Nachbars Katze

 

Vorgeschichte:

Die Frau meines Nachbarn wurde langsam dement. Sie legte sich eine Rassekatze zu, Die Katze selbst bekam ich nie zu Gesicht. Als diese nicht mehr am Leben gehalten werden konnte, brachte ihr Sohn ihr eine junge schwarze Katze aus Aachen als Trost- oder Ersatzkatze. 

Sie bekam ich jahrelang immer mal wieder zu Gesicht, wenn ich mit Schnurzel spazieren ging. Ich sah sie im Laufe der Zeit immer häufiger, und es gab dabei über etwa 10 Jahre keine Probleme.

Als sich die Demenz der Ehefrau sich verschlimmerte und bis zum Eintritt des Todes gepflegt wurde, hatte die Schwarze keine Bezugsperson mehr, und war fast nur noch draußen zu sehen. Der Nachbar hatte als Hundeversteher kaum einen Nerv für Katzen, wollte sie aber als Vermächtnis seiner Frau, die er sehr geliebt hatte, nicht abgeben, obwohl er bereits einen Behindertenausweis hatte. Er wohnte jetzt allein mit der Katze, und gab sie während eines Krankenhausaufenthalts in professionelle Pflege.

 

Danach trat ich in Aktion. Da ich mir angesichts meines Gesundheitszustands -- Schnurzel war da schon anderthalb Jahre tot --eine Katze aus einem Tierheim als Halter nicht mehr zutraute, machte ich dem Nachbarn das Angebot, die Versorgung seiner Katze zu übernehmen, wenn er dazu nicht in der Lage sei. Das nahm er gerne an. 

 

Als er sich dann in Behandlung geben musste, taten wir etwas, dessen ich mich im Nachhinein schäme: Um der Katze zu zeigen, wo es etwas zu fressen geben würde, zwängten wir die Katze in einen Transportkäfig. Ich brachte sie dann in meine Pergola und stellte einen Futternapf vor den Käfig, ohne dessen Klappe sofort zu öffnen. Als ich wiederkam, hatte sie das Futter mit ihrer Tatze durch das Gitter verstreut. Als ich den Käfig öffnete, flüchtete sie sofort. Das Futter, das ich danach täglich in die Pergola hinstellte, war zwar schnell verschwunden, aber sie auch: Ich hatte es bei ihr verschissen. Und unsere Aktion war unnötig und schädlich gewesen, wie die weitere Entwicklung zeigte.

 

Um mich nach einigen Monaten wieder als Freund der kleinen Schwarzen einzuführen, schließlich war ich auch als Halter von Schnurzel Teil ihres Feindbilds gewesen, stellte ich vorausschauend im Winter jede Nacht einen Napf mit einem Katzenstick zunächst am Gartentor, dann jeweils an einem anderen versteckten Platz im Garten hin. Der Napf war dann am nächsten Morgen leer, wie gut ich ihn auch in meinem kleinen Garten versteckte.

 

Als sich dann im nächsten Jahr der Nachbar wieder in Behandlung begeben musste, war ich dann doch als Freund eingeführt, und sie schaute sich in meinem Haus um, bekam dort ihr Futter, und konnte so in ihrem gewohnten Revier bleiben.

 

Jetzt konnte ich sie näher kennenlernen. Sie ist sehr sensibel, scheu, leise und eine sanftmütige Bettlerin. Ich bin bei ihr nur als Futterlieferant von Interesse, und sie betrachtet Begrüßungsrituale als Gedöns. Sie kommt erst nach Aufforderung bei mir rein, und betrachtet sich immer als Gast. Auf einen Zischlaut, selbst auf einen leisen, reagiert sie sofort schreckhaft. Tagsüber und oft auch nachts bleibt sie draußen als typische Freigängerin. Ihrem Nachbar bleibt sie treu, obwohl es bei ihm nur Dosenfutter gibt. Mittlerweile dürfte sie 13 Jahre alt und von bester Gesundheit sein. Sie hat es geschafft, dass die Portionen aus den Beutelmäu-sen immer größer wurden, da es bei mir die leckeren Happen in Soße gibt. Davon kann sie nicht genug bekommen, und so belagert sie mich meist unsichtbar in meinem Garten, bei Regen in der Pergola, bis ich rauskomme. Wenn der Hunger drängend wird, lauert sie mir auch auf und wartet bei Blickkontakt auf mein bestätigendes Nicken als Aufforderung reinzukommen. Ihr Verhalten kann ich nur taktvoll nennen. Sie wartet geduldig, wenn ich am essen bin, bloß wenn ich ihr den Futternapf bereite, kann sie es gar nicht mehr erwarten, und umkreist mit leiser Stimme maunzend und fiepend aufgeregt meine Beine. Sonst ist sie stumm und geduldig. 

 

In letzter Zeit habe ich einen größeren Einblick in ihr Verhalten gefunden, und zwar bei gemeinsamen Nachtspaziergängen, die schon bei Schnurzel großen Anklang gefunden hatten. Das funktioniert aber nur, wenn es hinterher noch was zu futtern gibt. Wenn ich dann losgehe oder losrenne, weil mich der Bewegungsdrang antreibt, rennt sie bald hinter mir her, damit ihr die Köstlichkeit in Sauce  nicht entgeht. Dabei zeigt sie sich ungewohnt zutraulich.

 

Wohin soll es jetzt gehen? Bei Unschlüssigkeit und im Untersuchungsmodus wedelt sie mit dem Schwanz. Ich gebe ihr die Richtung vor und laufe los. Sie führt mich dann den Schwanz steil nach oben zu ihren liebsten Vorgärten, in denen sie schnuppern und sich vor Spätheimkehrern verstecken kann. Ich folge ihr jedes Mal bis an die Grenzen ihres Reviers, und erfahre so ihre wichtigsten Schnupperstellen. Darüber hinaus vorzudringen scheint ihr zu gefährlich zu sein, es gibt ja noch andere Katzen, die ihr Revier verteidigen und sich sogar furchtlos mir gegenüber hatten blicken lassen. Aber in meiner Gesellschaft traute sie sich sogar, eine größere Katze zu verscheuchen, die sich in einem Hauseingang versteckte. Sie duckte sich anschleichend, den Schwanz waagerecht haltend. Dann preschte sie los und jagte die gescheckte Schönheit in einen Vorgarten, der ihr Deckung versprach.

 

Um die Katze nicht gänzlich dem Nachbarn zu entfremden, habe ich mein tägliches Futterangebot auf zwei Mahlzeiten, zusam-men etwa 150 g beschränkt. Da die Tür zum Garten jetzt im Sommer meist offen steht, kommt sie dann rein, und ich kann sie dann bei zu großer Gier mit leisem Zischen vertreiben, oder ich muss wieder den Futternapf füllen. Ansonsten gehört jetzt mein Garten zu ihrem Revier, und sie ruht sich dort auch aus. 15.07.24

 

Viele Pläne des Nachbarn, aus seinen vier Wänden herauszukommen, hatten sich zerschlagen. Deshalb wurde mein Angebot, die Versorgung bei Abwesenheit zu übernehmen, nicht genutzt. Die kleine Schwarze erschien zwar täglich in meinem Feinschmeckerlokal, benahm sich dabei mustergültig, aber bei mir gab es nur zweimal am Tag was in den Futternapf. Kam sie öfter, dann ignorierte ich sie; kam sie zur richtigen Zeit, dann begrüßte ich sie, oder pfiff sie herbei.

 

Die Abendspaziergänge hatten sich verflacht. Sie erschien dabei zur Begrüßung, lief auch eine Weile mit, aber dann war sie verschwunden. Nachts bekam sie noch Futter von ihrem Halter, und von mir nichts mehr. Auch wurde ein längerer nächtlicher Ausflug über ihr Revier hinaus zu einem Misserfolg, weil bei der Rückkehr ganz in der Nähe die Alarmanlage eines PKW ohne erkennbaren Anlass laut loströtete.

 

Dann meldete sich der Nachbar bei mir. Er hatte einen Termin in Frankfurt für eine Woche, und danach eine Reise nach Kolumbien zur Verwandtschaft seiner Adoptiv-Tochter gebucht. Da solle ich die Versorgung übernehmen.

 

Ich konnte mit ihr nachts schon weiter in die Umgebung ausschwärmen. Sie hat jetzt ein starkes Motiv mir über die Grenzen ihres Reviers zu folgen. Ich merkte bald, dass es ihr Vergnügen bereitet, mit mir als Beschützer ihren Horizont zu erweitern. Ich kann zwar nicht riechen, was sie als Nachrichten alles erschnuppert, weiß aber, wo es Katzen gibt, die mal draußen zu sehen sind. Ich gehe oder laufe dann weiter, aber irgendwann ist sie wieder in meiner Nähe. Mal sehen, ob daraus eine Tradition werden kann.   30.8.24

 

Eine Freilaufkatze, die auch meistens nachts draußen schläft, zeigt noch die wichtigsten Verhaltensweisen einer Wildkatze. Das ist vor allem die Unberechenbarkeit, die sie und ihren Nachwuchs schützt. Eine Tradition kann also der gemeinsame Spaziergang bei ihr nicht werden. Vor allem mag sie nicht überwacht werden. Manchmal verkriecht sie sich in einem Vorgarten, bis ich weitergelaufen bin, um dann, wenn ich schon denke, dass sie nicht mehr nachkommt, plötzlich wieder aufzutauchen. Der Futternapf ist zwar ein starkes Motiv, aber sie hat mich schon oft den ganzen Nachtspaziergang begleitet, um dann bei der Heimkehr auf die Fütterung zu verzichten. Manchmal erscheint sie nur kurz zur Begrüßung und trollt sich dann wieder. Jüngst kam sie auch am Tag zu einem langsamen Gang durchs Viertel zur Begleitung vorbei, folgte mir bis in die Nähe der Landstraße, aber dann war sie wieder verschwunden.

 

Jetzt überwiegt ihr Interesse Neues zu entdecken die Beköstigung. Auf jeden Fall habe ich ihr Vertrauen gewonnen.     7.10.24

 

Bisher war die Abwesenheit des Nachbarn nur von kurzer Dauer gewesen. Als er jetzt zu einer längeren Reise antreten wollte, fragte ich ihn für alle Fälle nach ihrem Namen und dem Impfheft. Er zeigte mir dann das Heft der verstorbenen Rassekatze, aber nach schriftlichen Belegen der Schwarzen befragt, zuckte er nur mit den Schultern und nannte einen Fantasienamen, der ihm wohl gerade in den Sinn gekommen war. Meine Folgerung: Er hatte wohl keine Papiere von ihr.

 

Als der Nachbar nun verreist war, zeigte sie sich zuerst bei mir weniger, aber am dritten Tag umso mehr. Sie brauchte offenbar Zeit, um sich mit der veränderten Situation abzufinden. Dann aber siegte der Hunger, und sie begann sich bei mir ein Plätzchen zu suchen. Im Haus sollte sie nicht ständig bleiben, das war auch nicht ihr Wunsch. Sie hatte auch schon das ideale Plätzchen für die Mittags- und Nachtruhe gefunden: hinter dem Vorhang in der Pergola. Dort konnte sie zu jeder Zeit wieder ausschwärmen und ihren Freiheitsdrang ausleben. Wenn ich morgens aufstand und ans Fenster zur Pergola ging, sah ich sie dort auf dem Tisch liegen. Wenn ich dann das Fenster öffnete, kletterte sie gleich auf die Fensterbank. Dort konnten wir uns fast auf Augenhöhe begegnen, und ich nutzte die Gelegenheit, ihr Fell zu streicheln und genauer zu untersuchen. Sie lässt es sich gerne gefallen - der Schwanz steht hoch - aber vordringlich ist ihr Wunsch, den Boden zu erreichen. So lange ich mich mit ihr beschäftige, kann sie nicht auf den Boden springen, wozu sie genau Maß nehmen muss. Ich darf allerdings ihre kostbare Zeit nicht übermäßig in Anspruch nehmen, da der Futternapf lockt.

 

Die Zeit bei mir verlief prolemlos. Den Futternapf serviere ich immer nur draußen zum Zeichen, dass sie zu mir als Gast kommt.

 

Nach einem Monat kam der Nachbar wieder aus Kolumbien zurück. Ich merkte es schnell, dass sie nun weniger die Beutelkost bei mir schnorrte. Sie bekam vermutlich jetzt bessere Kost als früher, und übernachtete wieder bei dem nasskalten nebligen Wetter zuhause. Zunächst verhielt sie sich bei mir wie gewohnt, machte nachts auch wieder Spaziergänge mit mir, aber nur unregelmäßig. Ich denke jetzt, dass sie begriffen hat, dass ich nur der Ersatzversorger sein wollte, und sie Gast ist.

 

Jetzt in der Novemberkälte lasse ich die Tür zum Garten geschlossen. Sie kommt aber noch täglich zum Futterempfang in den Garten, setzt sich in Positur aufs Beet mit Blick auf das Fenster, an dem ich frühstücke, wartet auf den Blickkontakt und meine Einladung durch ein Zeichen oder Klopfen ans Fenster, dann sprintet sie zur Tür. Ich lasse sie rein, dann wartet sie in Deckung unter einem Stuhl, dass ich in die Küche gehe, um den Futternapf zu füllen. Ist sie sonst die Geduld selber, kann sie es nun kaum noch erwarten und maunzt mit ihrer piepsigen Stimme voller Ungeduld. Mit dem Futternapf gehe ich dann nach draußen, dann stürzt sie sich auf ihn. Ich darf sie dann noch kurz streicheln und mich dann verdrücken. Es ist ihr am liebsten draußen zu futtern: dann kann sie gleich wieder in Freiheit losziehen.   16.11.24

 

Ende Januar 25 rief mich der Nachbar an und wollte wissen, wie mein Verhältnis zu der Katze sich nun entwickelt habe. Ich konnte ihm mitteilen, dass seine Katze nun begriffen hätte, dass sie bei mir nur Gast ist, den Futternapf nur draußen serviert bekommt, und ansonsten eine liebenswürdige Bettlerin sei, was auch in Zukunft so bleiben solle. Dann ergab es sich aus dem Gespräch, dass er jetzt auch die bessere Beutelkost verfüttere. Er bestätigte, dass sie jetzt in den kalten Nächten bei ihm zu Hause übernachte. 

 

Nur einmal wurde ich stutzig: Als ich in mein Schlafzimmer ging, sah ich seine Katze mitten auf meinem Bett liegen. Sie einfach wegzuscheuchen wollte ich nicht, redete mit ihr in strengem Ton, was aber nichts bewirkte. Dann ließ ich mich mit dem Rücken zu ihr auf mein niedriges Schaumstoffbett plumpsen. Mit zwei Sätzen war sie aus dem Schlafzimmer verschwunden und wieder draußen.
Erst danach sah ich, dass ich die Haustür ein wenig offenstehend gelassen hatte. Wollte sie endlich Klarheit, ob sie bei mir bleiben könne, oder war es bloß eine Laune?

 

An dem ersten warmen Februartag verschob ich die Fütterung und ging mit ihr wieder in der gewohnten Tradition spazieren, was ich mir bei der nasskalten Witterung erspart hatte. Ich gebe jetzt zwar zunächst die Richtung vor, warte dann aber, bis  sie schnuppernd ihre Erkundigungen beendet hat. Wenn mir das zu lange dauert, gehe ich weiter über ihr gewohntes Revier hinaus, immer den Kontakt mit Pfeiflauten zu ihr haltend. Da gibt ihr meine Begleitung Schutz beim Eindringen in fremde Katzenreviere.

 

Bloß wann und wo sie bei mir erscheint, ist immer unterschiedlich, an manchen Tegen auch gar nicht. Als Freilauf-Katze ist es ihr Schutz, sich nicht an die Terminpläne der Menschen zu halten, und unberechenbar zu sein.                                 22.2.25

 

Im Spätsommer änderte sich die Situation. Beim Nachbarn, der in meinem Alter ist, wurde ein Gehirntumor festgestellt. Er wurde zur Operation eingeliefert. Etwa zehn Tage lang war ich der alleinige Notversorger. Der Katze hatte ich bisher immer kklarmachen können, dass sie bei mir nur Gast ist. Jetzt wurde es anders.

 

Der Sohn aus Aachen erschien in dem Nachbarhaus. Ich ging zu ihm und stellte mich vor. Er sagte mir, dass er von deinem Vater den Auftrag bekommen hatte für das Wohlergehen der Katze zu sorgen. Als ich ihm erzählte, dass die Katze mir vertraut, und ich gerne bereit sei, als Notversorger tätig zu werden, reiste er schon am nächsten Tag wieder ab, ohne mir seine Telefonnummer zu hinterlassen. Das schien mir schon etwas seltsam zu sein.

 

Als der Nachbar nun wieder zuhause war,  übernahm er wieder etwa zur Hälfte die Fütterung. Aber dann folgte die Elektro-Therapie und anschließend die Chemotherapie, die ihm merkbar zusetzten. Ich sah ihn immer seltener in gramvollen Zustand vor dem Haus bei den Mülleimern, und immer häufiger kamen die Tochter oder Ihr Ehemann aus Kolumbien, die auch in Illingen wohnen, zu immer längerem Kontrollbesuch. In einer kurzen Unterredung mit der Tochter versicherte ihr, für die Versorgung der Katze zu sorgen, was ihr bei zwei lebhaften Kleinkindern kaum möglich sein würde. Außerdem würde sie spätestens nach drei Tagen wieder bei mir erscheinen. In einem ungewohnten lärmenden Haushalt würde es sie mit ihrem geschätzten 15 Lebensjahren nicht lange aushalten.

 

Ein Ausgang mit Nachbars Katze

 

Bei sonnigem Wetter stand sie an meiner Tür zum Garten in Erwartung der Fütterung. Wenn mir danach ist, so auch diesmal, sage ich zu ihr: Gibts erst später. Dann auf der Straße folgte ich ihr, weil sie mir in der Nähe die Richtung vorgibt. Sie musste zuerst ihre Schnupperstellen abklappern. Steil aufgerichteter Schwanz bedeutet: mir folgen. Nach Markierung ihres Reviers, wobei sie den Hinterleib zitternd bewegt, konnte ich die weitere Richtung vorgeben. Diesmal ging es die Treppen nach oben in Richtung Obstwiesen, wobei es unterwegs manches zu schnuppern gab.

Oben angekommen, wo sie noch nie war, ging ich voraus. Sie folgte mir, bis sie in einem Obstgarten sich im Buschwerk verkroch. Ich wartete eine Weile, aber sie wollte nicht nachkommen. Also ging ich zurück zu der Stelle. In diesem Augenblick kam sie wieder hervor, mit einer toten Maus im Maul. Die legte sie auf dem Weg vor meinen Füßen ab. Nach meiner Begutachtung warf ich die Maus am Schwanz in die Höhe, wobei sie sie im Flug wieder aufschnappte. Erst beim dritten Mal gab sie die Maus nicht mehr her, und fing an, sie zu verbeißen.

Ich hatte noch nie in aller Ausführlichkeit gesehen, wie eine Katze eine Maus frisst. Zuerst natürlich die Innereien, aber dann auch das Fell und die Gliedmaßen. Nach wenigen Minuten war von der Maus nichts mehr zu sehen.

Also ging ich weiter zu der Obstwiese, ob dort die Walnüsse schon reif am Boden lägen. Von meiner Begleiterin war nichts mehr zu sehen: Ihr Hunger war gestillt, so war sie allein wieder zurückgegangen. Ich konnte mir in Ruhe die Taschen mit Walnüssen vollstopfen.                                                                                                                                                                        4.10.25

 

 

Nach dem Laubfall ging ich mit ihr zu dem sonst durch hochgewachsenen Bäumen uneinsehbaren Imkerareal mit Informations- und Schautafeln über das Bienenleben am Eingang am Schmiebach. Jetzt konnte ich die Bienenkästen sehen, in denen Winterruhe herrschte. Das schien sie so zu interesseiren, dass der Zaun für sie kein Problem war. Sie reagierte nicht mehr auf meine Signale, und blieb bis in den Nachmittag des folgenden Tages verschwunden. Schüchtern ließ sie sich wieder vor der Haustür blicken. Hatte sie dort Mäuse gefunden?

 

Im Januar 26 schien etwas bei ihr nicht mehr zu stimmen: Nahrungsverweigerung und Heißhunger wechselten sich ab. Immer mehr Sorten meines Premiumangebots, das sie vorher mit wedelndem Schwanz begrüßt hatte, wollte sie nicht mehr anrühren. Immer mehr der angebotenen Köstlichkeiten lehnte sie ab. Zuletzt wollte sie nur noch das Futter mit Geflügel anrühren, bis auch das in Ungnade fiel. Dabei zeigte sie sich noch durchaus vital. 

Ein Anruf bei der tierärztlichen Gemeinschaftspraxis in Vaihingen-Enz konnte mir bei fehlenden schriftlichen Unterlagen nicht weiterhelfen. Schließlich kam mir der Verdacht, dass Parasiten im Verdauungstrakt die Ursache sein könnten. Dummerweise war das beste Wurmmittel Milbeguard, das von den Ärzten  in solchen Fällen verschrieben wird, seit Jahresanfang rezeptpflichtig geworden. Ich konnte es aber etwas außerhalb der Legalität erstehen, allerdings ohne Beipackzettel. Anfang Februar traf es bei mir ein, und kleingehackt mischte ich es in das wenige Futter, das sie noch akzeptierte.