Demenz                                                                                   

 

 

                   

                   Laura Obernagel  (Montag, 09. Februar 2026 18:10)

 

"Ich weiss", ich weiss nichts

Er guckt mich an. Er wartet.

Ich warte.
Ich weiß, wieso er wartet,
aber ich weiß nicht mehr, was er will.
Ich weiß, er wartet auf eine Antwort und ...

Er guckt mich an.

Ich gucke ihn an.
Ich warte,

er will was von mir.

Er schreit mich an und ich weiß nicht wieso.
Ich verstehe seine Worte,
aber ich versteh nicht, was er sagt.
Ich gucke ihn an.

Er guckt mich an.

Ich will antworten, ich will etwas sagen,
ich will ihm antworten,
aber ich weiß noch nicht was.

Er guckt mich an und schüttelt den Kopf
„Man Mama ich will nur wissen, ob ja oder nein.“
schreit er.

Ich weiß, er wartet auf eine Antwort
und ich mache den Mund auf.
Ich gucke ihn an, ich will es sagen.

Er guckt mich an, ich gucke ihn an, er geht, er knallt die Tür.

Ich hab‘s vergessen.
Ich weiß nicht mehr, was er wissen wollte,
obwohl er es mir erklärt hat.

Stille.

Ich fühle mich schlecht. Er schreit mich einfach so an und geht dann.
Ich wollte antworten und er geht.
Ich fühle mich schlecht. Er schreit mich einfach so an und ...
Ich fühle mich schlecht. Er schreit mich an ...
Ich fühle mich schlecht ...
Ich fühle mich.


Stille.

Ich weiß nicht worüber ich nachgedacht habe.
Ich fasse mir an den Kopf
und streiche mir über die Stirn,
in der Hoffnung mir fällt ein,
was ich gedacht habe.
Ich frage mich, wieso ich mir über den Kopf streiche.

Stille.

Ich bin alleine, die Tür geht auf.

Er entschuldigt sich.

Ich weiß, dass seine Entschuldigung gerechtfertigt ist,
ich habe mich schlecht gefühlt,
er hat mich angeschrienen,
er hat mich nicht antworten lassen,
ich wusste keine Antwort.
Ich entschuldige mich.
Ich weiß, ich brauche es nicht,
aber ich fühle mich so, als müsste ich es.

„Ich weiß, dass ich vergessen habe“

er sagt „ich weiß“.

Ich weiß nichts. Stille.
Ich gucke ihn an,

er geht. Die Tür geht leise zu.

Stille

 

 

 

Lohre Wittmayer < (Samstag, 07. Februar 2026 15:34)

 

Verloren und gefunden

In einem Labyrinth aus Vergessenheit und Zweifel,
suche ich nach Spuren, nach einem Faden aus Seide.
Die Erinnerungen verblassen, doch die Liebe bleibt,
ein Band, das uns verbindet, auch wenn das Gedächtnis schweigt.

 

 

 

Jonas Schleicher (Freitag, 06. Februar 2026 17:57)

 

Sekunden Momente

M(eine) Zugfahrt

Ich steige in den Zug.

Jeder hat seinen Platz, der Zug fährt los.

Ich bewege mich rückwärts, was mir gar nicht gefällt, weil ich nicht weiß, was kommt.

>Ich fahre nicht vorausschauend.<

Für Menschen mit Demenz ist auch jeder Tag und jede Situation nicht vorausschauend...

...und "sich rückwärts bewegen"...weil sie vieles Erlerntes vergessen.

Ich schaue aus dem Fenster und beobachte.

>Meine Feststellung<

Alles ist da, aber auch sofort wieder weg, in Sekunden.

Häuser, Autos, Menschen, Tiere....etc.

Vieles auf meiner Reise hätte ich gerne länger gesehen: Rehe, schwimmende Enten, fließende Bäche, Vögel, etc.

Aber als ich es sah, war es auch schon wieder weg.

>So fühlt es sich also an, das Vergessen.<

Es macht traurig...etwas Gesehenes und Gefühltes in Sekundenschnelle wieder zu vergessen, aus den Augen und Sinnen zu verlieren. (
•́︿•̀)

Momente der Ruhe...gab es auch.

Davon brauchen Menschen mit Demenz ganz viele.

Gebt sie ihnen.


.:∞*♥Ruhe-Momente♥*∞:.。 

Je länger die Reise wurde, desto unruhiger wurde es, draußen wie drinnen.

Drinnen gab es zeitweise Momente, wo ich mir gewünscht hätte, dass sie schnell vergehen, aber diese musste ich "aushalten".

So wie auch Menschen mit Demenz viele Situationen/Momente und Gefühle aushalten müssen, sie sind ihnen ausgesetzt.

Das war ich auch.

Das einzigste was mir blieb, war die wunderschöne Natur mit Bäumen, Feldern und die wärmende Sonne.

Dieses schöne Gefühl der Wärme, blieb mir bis zum Ende meiner Fahrt erhalten.

Bekommen dies auch demenziell veränderte Menschen??


>Ein Gefühl von Wärme<

>Schenkt es ihnen,

mit Eurer Liebe
und Emphatie<

(
•ᴗ•)

Dann änderte der Zug seine Richtung...nun ging es vorwärts...vorausschauend.

>Ich konnte sehen, was kommt.<

Mir ging es sofort besser.

Es stimmte mich viel fröhlicher.

Etwas, was in der Ferne zu sehen war,

kam näher.

>Es gab mir Sicherheit.<

Haben dies auch demenziell veränderte Menschen?

>Das Gefühl von Sicherheit<

Schenkt Ihr es Ihnen, mit Wertschätzung, Anerkennung und Eurem Wissen, wie man diese Gefühle vermittelt. ʚ
♡⃛ɞ(•ᴗ•)

Meine Zugfahrt ist beendet.

Ich bin am Ziel angekommen.


Angekommen bei mir und meiner Arbeit/Berufung.

Und ihr?

Fahrt ihr noch mit dem Zug?

Plant ihr eine Zugfahrt oder habt ihr diese Reise schon getan?

Eine Gedankenreise in die Welt von demenziell veränderten Menschen. (
♥‿♥)

Ich begleite Euch gerne!

Lasst uns zusammen Reisen!

Diese Reise ist so wichtig, für Alle!

 

 

 

 Katharina Kettler (Freitag, 06. Februar 2026 17:55)

 

Demenz

Es ist einer dieser Montage
Weckerklingeln
aus dem Bett geschmissen
aus den Gedanken gerissen
schnell noch ’nen Kaffee kippen und los geht’s.
Portemonnaie, Schublade
Schlüssel, Kommode
Brille, Tisch
Tasche, Flur

Weckerklingeln
Es ist Montag?
aus dem Bett geschmissen
aus den Gedanken gerissen
Schnell noch ’nen Kaffe kippen und los geht’s.
Wohin?
Portemonnaie? Schublade!
Schlüssel? Kommode!
Tasche? Küche, nein Flur!
Fehlt was?

Welcher Tag?
Erstmal Frühstück
Wo bin ich?
Türklingeln
„Hallo Oma!“
Wer ist das?

Es ist einer dieser Montage
Weckerklingeln
aus dem Bett geschmissen
aus den Gedanken gerissen
schnell noch ’nen Kaffee kippen und los geht’s.
Portemonnaie, Schublade
Schlüssel, Kommode
Brille, Tisch
Tasche, Flur

Weckerklingeln
Es ist Montag?
aus dem Bett geschmissen
aus den Gedanken gerissen
schnell noch ’nen Kaffee kippen und los geht’s.
Wohin?
Portemonnaie? Schublade!
Schlüssel? Kommode!
Tasche? Küche, nein Flur!
Fehlt was?

Was klingelt da?
Weiter auf den Fernseher schauen
Bares für Rares kommt gerade
es riecht verbrannt
Soll ich in die Küche gehen?
Der Ofen qualmt, verdammt
Kuchen?
Wer war das denn?

Aus dem Bett geschmissen
aus dem Fenster s