Gedichte

 

 

Unerwartet bin ich in den Besitz einer Gedichtesammlung gekommen. Ich selbst sehe mich ja nicht als Dichter. Außer dem Feuerteufel ist mir ja nichts von Bedeutung auf diesem Gebiet gelungen. Vielen Dank für das Geschenk!

Der Hinweis mag unnötig sein: Ich habe eine Auswahl nach meinem Geschmack getroffen. Die Adressaten der Gedichte sind nicht in jedem Fall auch die Autoren.

 

Peter van Gutenberg  (Dienstag, 15. November 2022 20:37)

 

Kassandra“

Freude war in Trojas Hallen,
Eh die hohe Feste fiel;
Jubelhymnen hört man schallen
In der Saiten goldnes Spiel;
Alle Hände ruhen müde
Von dem tränenvollen Streit,
Weil der herrliche Pelide
Priams schöne Tochter freit.

Und geschmückt mit Lorberreisern,
Festlich wallet Schar auf Schar
Nach der Götter heil'gen Häusern,
Zu des Thymbriers Altar.
Dumpf erbrausend durch die Gassen
Wälzt sich die bacchant'sche Lust,
Und in ihrem Schmerz verlassen
War nur eine traur'ge Brust.

Freudlos in der Freude Fülle,
Ungesellig und allein,
Wandelte Kassandra stille
In Apollos Lorbeerhain.
In des Waldes tiefste Gründe
Flüchtete die Seherin,
Und sie warf die Priesterbinde
Zu der Erde zürnend hin:

»Alles ist der Freude offen,
Alle Herzen sind beglückt,
Und die alten Eltern hoffen,
Und die Schwester steht geschmückt.
Ich allein muß einsam trauern,
Denn mich flieht der süße Wahn,
Und geflügelt diesen Mauern
Seh' ich das Verderben an.

»Eine Fackel seh' ich glühen,
Aber nicht in Hymens Hand;
Nach den Wolken seh' ich ziehen,
Aber nicht wie Opferbrand.
Feste seh' ich froh bereiten,
Doch im ahnungsvollen Geist
Hör' ich schon des Gottes Schreiten,
Der sie jammervoll zerreißt.

»Und sie schelten meine Klagen,
Und sie höhnen meinen Schmerz.
Einsam in die Wüste tragen
Muß ich mein gequältes Herz,
Von den Glücklichen gemieden
Und den Fröhlichen ein Spott!
Schweres hast du mir beschieden,
Pythischer, du arger Gott!

»Dein Orakel zu verkünden,
Warum warfest du mich hin
In die Stadt der ewig Blinden
Mit dem aufgeschloßnen Sinn?
Warum gabst du mir zu sehen,
Was ich doch nicht wenden kann?
Das Verhängte muß geschehen,
Das Gefürchtete muß nahn.

»Frommt's, den Schleier aufzuheben,
Wo das nahe Schrecknis droht?
Nur der Irrtum ist das Leben,
Und das Wissen ist der Tod.
Nimm, o nimm die traur'ge Klarheit,
Mir vom Aug den blut'gen Schein!
Schrecklich ist es, deiner Wahrheit
Sterbliches Gefäß zu sein.

»Meine Blindheit gib mir wieder
Und den fröhlich dunklen Sinn!
Nimmer sang ich freud'ge Lieder,
Seit ich deine Stimme bin.
Zukunft hast du mir gegeben,
Doch du nahmst den Augenblick,
Nahmst der Stunde fröhlich Leben -
Nimm dein falsch Geschenk zurück!

»Nimmer mit dem Schmuck der Bräute,
Kränzt' ich mir das duft'ge Haar,
Seit ich deinem Dienst mich weihte
An dem traurigen Altar.
Meine Jugend war nur Weinen,
Und ich kannte nur den Schmerz,
Jede herbe Not der Meinen
Schlug an mein empfindend Herz.

»Fröhlich seh' ich die Gespielen,
Alles um mich lebt und liebt
In der Jugend Lustgefühlen,
Mir nur ist das Herz getrübt.
Mir erscheint der Lenz vergebens,
Der die Erde festlich schmückt;
Wer erfreute sich des Lebens,
Der in seine Tiefen blickt!

»Selig preis' ich Polyxenen
In des Herzens trunknem Wahn,
Denn den Besten der Hellenen
Hofft sie bräutlich zu umfahn.
Stolz ist ihre Brust gehoben,
Ihre Wonne faßt sie kaum,
Nicht euch, Himmlische dort oben,
Neidet sie in ihrem Traum.

»Und auch ich hab' ihn gesehen,
Den das Herz verlangend wählt!
Seine schönen Blicke flehen,
Von der Liebe Glut beseelt.
Gerne möcht' ich mit dem Gatten
In die heim'sche Wohnung ziehn;
Doch es tritt ein styg'scher Schatten
Nächtlich zwischen mich und ihn.

»Ihre bleichen Larven alle
Sendet mir Proserpina;
Wo ich wandre, wo ich walle,
Stehen mir die Geister da.
In der Jugend frohe Spiele
Drängen sie sich grausend ein,
Ein entsetzliches Gewühle!
Nimmer kann ich fröhlich sein.

»Und den Mordstahl seh' ich blinken
Und das Mörderauge glühn;
Nicht zur Rechten, nicht zur Linken
Kann ich vor dem Schrecknis fliehn;
Nicht die Blicke darf ich wenden,
Wissend, schauend, unverwandt
Muß ich mein Geschick vollenden
Fallend in dem fremden Land« -

Und noch hallen ihre Worte -
Horch! da dringt verworrner Ton
Fernher aus des Tempels Pforte,
Tot lag Thetis' großer Sohn!
Eris schüttelt ihre Schlangen,
Alle Götter fliehn davon,
Und des Donners Wolken hangen
Schwer herab auf Ilion.

 

 

 

Klaus Ginger (Montag, 12. September 2022 20:41)

 

 

Inneres Zuhause

Zuhause bin ich nur in mir.
"Die" Heimat gibt es für mich nicht -
das Leben "heut und jetzt und hier"
trägt überall Heimatgesicht,

wenn wenig Wände um mich sind
und mich berühren Sonne, Mond.
Auch in der Fremde weht der Wind,
in dem vertraute Heimat wohnt

und Liebe, die mich je verband.
So viel bis heute davon blieb!
Auch das Erinnern, ohne "Wann" -
nur an das "Wie", das in mir liegt.

 

 

Horst Rehmann (Montag, 12. September 2022 20:13)

 

Gewohnheiten

Gewohnheiten sind wie Viren,
sie kleben fest bei Tag und Nacht,
es ist schwer, sie zu verlieren,
denn sie verfügen über Macht.

Am meisten stört an dieser Sache,
dass es furchtbar viele davon gibt,
und das trotz Gegenwehr und Rache,
der Mensch sie stets nur vor sich her schiebt.

Doch hat er sich mal überwunden,
und Laster entfernt aus dem Quartier,
wird auch prompt ein Neues gefunden,
so bleibt der Mensch – ein Gewohnheitstier.

 

 

Carsten Weger (Montag, 12. September 2022 20:12)

 

In Vasen gelebt

Die meisten Menschen leben,
In Vasen jenen Blumen gleich,
Die mit den Wurzeln streben,
Nach tief'rer Erde unerreicht.

Die meisten Menschen welken,
In künstlich' Wasserschalen
Wie abgetrennten Nelken,
Die letzten Lebensfarben.

Und viele Menschen wollen,
Wenn man sie danach fragt,
Niemals so leben sollen,
So lebend Tag für Tag.

Ich war, - noch bin ich ihnen gleich
Noch welkt mein junges Dasein,
Noch scheint die Erde unerreicht,
Schon bald werd' ich ihr nah sein.

Wenn Künstlichkeiten weggehoben
Dann pendeln Herzen ausgewogen
Wenn falsche Weisen fortgebannt,
Mit Möglichkeiten in der Hand,
Dann bereinigt sich der Kosmos,
In uns Schlüssel, in uns Schloss.

 

Horst Rehmann (Dienstag, 01. März 2022 11:41)

Einz-igart-ig

Ein Mann namens Kön..
geboren in Leipz..
ganz sicher schon siebz..
bekleidet sehr dürft..
Gesicht und Hände schmutz..
saß einst in Danz..
auf Decken, recht dreck..
und neben ihm ein Käf..
mit einem kleinen Zeis..
der sehr, sehr art..
überaus fleiß..
galant und läss..
obwohl das Wetter eis..
zwischen Blätter und Reis..
an Obst pickte, das mad..
doch ein Passant wurde stutz..
obwohl der Vogel sehr putz..
roch dieser nach Ess..
und irgendwie muff..
mit einem Wort, ekl..
drum fand er es wicht..
ganz sicher auch richt..
das er flott und hurt..
natürlich vernünft..
zumindest einstweil..
doch nicht endgült..
und nicht für ew..
ihn bringt zu Herrn Will..
nach Sinz..
denn der ist feinfühl..
auch nicht geiz..
niemals hitz..
immer lust..
trotzdem mut..
und stets ems..
Vögel rechtzeit..
kurzfrist..
und güt..
zu pflegen – großzüg..
und – warmherz..

 

 

Erika Keim (Montag, 28. Februar 2022 11:12)

 

Der Nöckergreis

Ich ging zum Wein und ließ mich nieder
Am langen Stammtisch der Nöckerbrüder.
Da bin ich bei einem zu sitzen gekommen,
Der hatte bereits das Wort genommen.

“Kurzum” – so sprach er -, “ich sage bloß,
Wenn man den alten Erdenkloß,
Der, täglich teilweis aufgewärmt,
Langweilig präzis um die Sonne schwärmt,
Genau besieht und wohl betrachtet
Und, was darauf passiert, beachtet,
So findet man, und zwar mit Recht,
Daß nichts so ist, wie man wohl möcht.

Da ist zuerst die Hauptgeschicht:
Ein Bauer traut dem andern nicht.
Ein jeder sucht sich einen Knittel,
Ein jeder polstert seinen Kittel,
Um bei dem nächsten Tanzvergnügen
Gewappnet zu sein und obzusiegen,
Anstatt bei Geigen- und Flötenton,
Ein jeder mit seiner geliebten Person,
Fein sittsam im Kreise herumzuschweben.
Aber nein! Es muß halt Keile geben.
Und außerdem und anderweitig:
Liebt man sich etwa gegenseitig?
Warum ist niemand weit und breit
Im vollen Besitz der Behaglichkeit?
Das kommt davon, es ist hienieden
Zu vieles viel zu viel verschieden.
Der eine fährt Mist, der andre spazieren;
Das kann ja zu nichts Gutem führen,
Das führt, wie man sich sagen muß,
Vielmehr zu mehr und mehr Verdruß.
Und selbst, wer es auch redlich meint,
Erwirbt sich selten einen Freund.

Wer liebt, zum Beispiel, auf dieser Erde,
Ich will mal sagen, die Steuerbehörde?
Sagt sie, besteuern wir das Bier,
So macht’s den Christen kein Pläsier.
Erwägt sie dagegen die Steuerkraft
Der Börse, so trauert die Judenschaft.

Und alle beide, so Jud wie Christ,
Sind grämlich, daß diese Welt so ist. –
Es war mal ’ne alte, runde Madam,
Deren Zustand wurde verwundersam.

Bald saß sie grad, bald lag sie krumm,
Heut war sie lustig und morgen frumm;
Oft aß sie langsam, oft aber so flink
Wie Heinzmann, eh er zum Galgen ging.
Oft hat sie sogar ein bissel tief
Ins Gläschen geschaut, und dann ging’s schief.

Sodann zerschlug sie mit großem Geklirr
Glassachen und alles Porzellangeschirr.
Da sah denn jeder mit Schrecken ein,
Es muß wo was nicht in Ordnung sein.

Und als sich versammelt die Herren Doktoren,
Da kratzten dieselben sich hinter den Ohren.
Der erste sprach: “Ich befürchte sehr,
Es fehlt der innere Durchgangsverkehr;

Die Gnädige hat sich übernommen;
Man muß ihr purgänzlich zu Hilfe kommen.”
Der zweite sprach: “O nein, mitnichten!
Es handelt sich hier um Nervengeschichten.”
“Das ist’s” – sprach der dritte – “was ich auch ahne;
Man liest zu viele schlechte Romane.”

“Oder” – sprach der vierte – sagen wir lieber,
Man hat das Schulden- und Wechselfieber.”
“Ja” – meinte der fünfte – “das ist es eben;
Das kommt vom vielen Lieben und Leben.”
“O weh!” – rief der sechste – “der Fall ist kurios;
Am End ist die oberste Schraube los.”

“Hah!” – schrie der letzte – “das alte Weib
Hat unbedingt den Teufel im Leib;
Man hole sogleich den Pater her,
Sonst kriegen wir noch Malör mit der.”

Der Pater kam mit eiligen Schritten;
Er tät den Teufel nicht lange bitten;
Er spricht zu ihm ein kräftiges Wort:
“Raus, raus und hebe dich fort,
Du Lügengeist,
Der frech und dreist
Sich hier in diesen Leib gewagt!”
“I mag net!” – hat der Teufel gesagt.

Hierauf – –
Doch lassen wir die Späß,
Denn so was ist nicht sachgemäß.
Ich sage bloß, die Welt ist böse.
Was soll, zum Beispiel, das Getöse,
Was jetzt so manche Menschen machen
Mit Knallbonbons und solchen Sachen?

Man wird ja schließlich ganz vertattert,
Wenn’s immer überall so knattert.
Das sollte man wirklich solchen Leuten
Mal ernstlich verbieten, und zwar beizeiten,
Sonst sprengen uns diese Schwerenöter
Noch kurz und klein bis hoch in den Äther,
Und so als Pulver herumzufliegen,
Das ist grad auch kein Sonntagsvergnügen.

Wie oft schon sagt ich: Man hüte sich.
Was hilft’s? Man hört ja nicht auf mich.
Ein jeder Narr tut, was er will.
Na, meinetwegen! Ich schweige still!”

So räsonierte der Nöckergreis.
Uns aber macht er so leicht nichts weis;
Und ging’s auch drüber oder drunter,
Wir bleiben unverzagt und munter.

Es ist ja richtig: Heut pfeift der Spatz
Und morgen vielleicht schon holt ihn die Katz;
Der Floh, der abends krabbelt und prickt,
Wird morgens, wenn’s möglich, schon totgeknickt;

Und dennoch lebt und webt das alles
Recht gern auf der Kruste des Erdenballes. –
Froh hupft der Floh. –
Vermutlich bleibt es noch lange so.

 

 

Thomas Meister (Freitag, 18. Februar 2022 12:38)

Gedichtsuche

Gestern fand ich ein Gedicht
das mir aus der Seele spricht
Wörter rieben Schicht an Schicht
Erinnre mich doch der Worte nicht

die Seite - fort
der Cache ist leer
ein Wörtertod im Wörtermeer

 


Heinz Krumm (Freitag, 18. Februar 2022 14:42)

 

Zu groß ist das Chaos,
nichts werd ich je ändern,
denn alle Dinge gehen ihren Weg,
unaufhaltsam,
von keiner Gewalt.

 

 

Peter Mayer (Freitag, 18. Februar 2022 14:41)

 

So ist der Mensch!
Er glaubt nur,
was ihm nützt.
Und auch den Himmel
glaubt er nur,
wenn er sich was
von ihm verspricht.

 

 

Renate Jahn (Freitag, 18. Februar 2022 12:34)

 

Der Mensch

Empfangen und genähret
vom Weibe wunderbar,
kömmt er und sieht und höret
und nimmt des Trugs nicht wahr;
gelüstet und begehret,
und bringt sein Tränlein dar;
verachtet und verehret,
hat Freude und Gefahr;
glaubt, zweifelt, wähnt und lehret,
hält nichts und alles wahr;
erbauet und zerstöret;
und quält sich immerdar;
schläft, wachet, wächst und zehret;
trägt braun und graues Haar;
und alles dieses währet,
wenn' s hoch kommt, achtzig Jahr.
Dann legt er sich zu seinen Vätern nieder,
und er kömmt nimmer wieder.

 

 

Marion Kiel (Mittwoch, 09. Februar 2022 14:16)

 

Der Kritiker

Ich wollte euch bestimmt nicht sagen,
was ihr tun sollt oder lassen,
doch was ihr da grade tut,
an den Kopf könnt’ ich mich fassen.

Was ihr sagt, vor allem wie
hat mich nicht zu interessieren.
Wäre ich ihr, so würde ich mich
ganz und gar dafür genieren.

Eure Art, euch zu gebärden
hat so was animalisches.
Ihr meint, das ist nicht mein Ding.
Richtig, ganz auch meine Red’.

Euch zu kritisieren wäre
nie mir in den Sinn gekommen,
doch ein Hilfe gebend Wort,
sei mir wohl nicht krumm genommen.

Seinen Nächsten anzuprangern,
alles Schlechte zu bemerken,
kann, wenn man die Kunst beherrscht,
das eigene Selbstgefühl wohl stärken.


 

Andrea Stahl (Mittwoch, 09. Februar 2022 14:14)

 

Gleichnis

Es ist ein Brunnen, der heißt Leid;
draus fließt die lautre Seligkeit.
Doch wer nur in den Brunnen schaut,
den graut.

Er sieht im tiefen Wasserschacht
sein lichtes Bild umrahmt von Nacht.
O trinke! da zerrinnt dein Bild:
Licht quillt.

 

 

Otmar Presch (Dienstag, 08. Februar 2022 13:39)

 

Zu groß ist sein Leid, dass selbst sein Klagen verstummt ist.

Aus leeren Augen kann keine Träne mehr rinnen.
In Lethargie verharrt er, seine Geige presst er an sich.
Als wäre sie der Schlüssel zum gestrigen Leben.
Im Herzen bewahrt er, friedliche Bilder vom Morgen.
Nur langsam dringt das Geschehene in sein Bewusstsein.
Noch wehrt er sich, die Realität zu begreifen.
Türen, die er sucht, bleiben für immer verschwunden.
Verzweifelt stützt er sich auf den Rest einer Mauer.


 

Otto König (Sonntag, 06. Februar 2022 15:10)

 

Der Mann im Mond

Der Mann im Mond, er schaut so groß,
so friedlich sein Gesicht.
Ich hätte viel mit ihm zu reden,
doch sprechen mag er nicht.

Der Mann im Mond, er lächelt lieb,
ich wollt’ ihn so viel fragen
Doch er blickt stumm und sieht mich an,
in Nächten und an Tagen.

Der Mann im Mond muss weise sein,
und jeder hat ihn gern.
Er ist so ruhig, angenehm,
gleichzeitig hier, gleichzeitig fern.

 

 

Bernd Lamm (Samstag, 05. Februar 2022 20:38)

 

Wovon ich ausging war phantastisch -
ach könnte ich doch wieder glauben
das Gute sei perfekt und plastisch,
ganz real und nicht zu rauben,
weil es am Ende immer siegt...
Jetzt weiß ich, daß man sich nur fügt!

Ach Kind, ich liebe dich: Du Leiche
der Vergangenheit, die in mir schwebt!
Sei mir ein Traum verlor'ner Reiche,
in der die kleine Seele webt,
als wie ein Gott, der sich nicht kennt
und niemanden beim Namen nennt!

Du kämst wohl gern zu mir zurück?
Ich würd' dich in die Arme nehmen!
Du wärst von mir das beste Stück -
würde ich mich gar nicht schämen
dein Antlitz andern preiszugeben...
Sei mir doch Schutzpatron im Leben!

Du bist so schön wie gar nichts sonst!
Man fühlte sich in dir geborgen...
Nur heute weiß ich: Ein Gesponst
das gestern war wird wohl kein Morgen.
Die Angst an deiner leeren Stelle
ist aller Zukunft eine Schwelle!

Sie wird von Monstern überschritten -
ich bleib' im Abseits und vergehe!
Und keine Macht erhört mein Bitten...
was nun erscheint ist Gram und Wehe!
Wir finden uns verlassen drein -
denn nichts wird mehr wie früher sein!

 

 

Heidi Jeckle(Samstag, 05. Februar 2022 20:36)

 

Der Feuerteufel

Immer in der Nacht,
hat er Feuer angemacht.
Gezündelt und tierisch sich drüber gefreut,
wenn es traf die andren Leut!

So, hat er Unruhe und Terror gestiftet,
und manchen Großbrand in der Nacht verrichtet.
Doch eines Tages war die Welt verkehrt,
und so sein Schicksal war erklärt.

Als über seine Taten,
im Fernsehn wurd wild beraten,
wer er sei, wo er wohnt,
wer ihn kennt wird hoch belohnt.

Machte er sich‘s gar bequem,
und wollte so seine Taten sehn.
Wie gewohnt zog er sich 'ne Fluppe rein,
danach muss er wohl eingeschlafen sein.

Das sagten die Kollegen vom Feuerwehrverein!


 

Friederike Kempner (Samstag, 05. Februar 2022 16:40)

 

Bitterböse ist das Leben


Bitterböse ist das Leben,
Und vergeblich alles Streben
Nach dem höheren Ziel:
Alles bleibt ein Spiel,
Illusionen uns umschweben,
Die sich nie als Wahrheit geben.

 

 

Marta Heiglich (Freitag, 04. Februar 2022 15:18)

 

Es ist nicht zu verleugnen,
Notlügen braucht man oft,
denn unbequeme Fragen
die kommen unverhofft.

Knallhart die Wahrheit sagen,
das tut manchmal sehr weh,
Notlügen zu verwenden
ist darum ganz o k.

Ausreden zu gebrauchen,
auch dazu sei bereit,
denn man vermeidet dadurch
Enttäuschung, Ärger, Streit.


 

Tom Drehle (Freitag, 04. Februar 2022 13:13)

 

Wie wenn das Leben wär nichts andres
Als das Verbrennen eines Lichts!
Verloren geht kein einzig Teilchen,
Jedoch wir selber gehn ins Nichts!

Denn was wir Leib und Seele nennen,
So fest in eins gestaltet kaum,
Es löst sich auf in Tausendteilchen
Und wimmelt durch den öden Raum.

Es waltet stets dasselbe Leben,
Natur geht ihren ew’gen Lauf;
In tausend neuerschaffnen Wesen
Stehn diese tausend Teilchen auf.

Das Wesen aber ist verloren,
Das nur durch ihren Bund bestand,
Wenn nicht der Zufall die verstäubten
Aufs neu zu einem Sein verband.


 

Ilka Heim (Freitag, 04. Februar 2022 13:10)

 

Immer enger, leise, leise,
Ziehen sich die Lebenskreise,
Schwindet hin, was prahlt und prunkt,
Schwindet Hoffen, Hassen, Lieben,
Und ist nichts in Sicht geblieben
Als der letzte dunkle Punkt.

 

 

Dagmar Tischler (Donnerstag, 03. Februar 2022 18:31)

 

Das Schwein


Ich habe es heut' laufen sehen
Diese rosane Kreatur

Und nun wird es die Qualen spüren
Werde es zum Schlachthof führen

Das Blut es spritzt, das Schwein es schreit
Nun ist es für den Tod bereit

Es blutet aus und wird auch leiser
Die lauten Schreie werden heiser

Das Messer ich zur Seite leg
Die arme Kreatur aufheb

Das Fleisch ist mein, gehört nur mir
Ich bin der Mensch und du das Tier

 

 

Olle Wrivatisch (Donnerstag, 03. Februar 2022 18:30)

 

Als das Unheil sich anbahnte spielte er für Fremde zum Tanz.
Zu groß ist sein Leid, dass selbst sein Klagen verstummt ist.

Aus leeren Augen kann keine Träne mehr rinnen.
In Lethargie verharrt er, seine Geige presst er an sich.
Als wäre sie der Schlüssel zum gestrigen Leben.
Im Herzen bewahrt er, friedliche Bilder vom Morgen.
Nur langsam dringt das Geschehene in sein Bewusstsein.
Noch wehrt er sich, die Realität zu begreifen.
Türen, die er sucht, bleiben für immer verschwunden.
Verzweifelt stützt er sich auf den Rest einer Mauer.
Wie in Trance legt er seine Geige auf die Schulter.
Ist sie doch das Einzige, was ihm noch blieb.
Aufs kühle Holz presst er behutsam das bärtige Kinn.
Greift nach dem Bogen mit zitternder Hand.
Mit dem Spiel will er alles Unheil verdrängen.
Vergeblich sucht er nach der befreienden Melodie.
Aber die Lieder sind aus seinem Kopf verschwunden.
Wahllos reiht er deshalb Töne aneinander,
traktiert den Bogen, der über die Saiten springt.
Zuerst tobt er wütend, kraftvoll und laut.
Will damit den hämmernden Schmerz überdecken.
Die Geige beginnt qualvoll zu winseln und schluchzen.
Ein Aufschrei der Verzweiflung!
Er spielt wie besessen, um sich zu berauschen.
Die Disharmonie durchdringt klagend die Luft.
Nur langsam ist er fähig, das ganze Leid zu erfassen,
Bricht in Tränen aus und sinkt kraftlos zusammen.
Da legt sich eine kleine Hand auf seinem Arm.
Durch das verstaubte Hemd dringt menschliche Wärme.
Er hebt den Blick und schaut in zwei ängstliche Augen.

 

 

Ute Miesbach (Donnerstag, 03. Februar 2022 18:29)

 

Angst


Bin ich bei Bewusstsein,
So vertreibe ich sie allein.
Doch schließ ich meine Augen
Wird es mir die Seele rauben.
Kann nicht fassen
was alles geschah
Kann nicht fassen
wie hilflos ich war.
So schließ ich meine Augen

wird es mir die Seele rauben.
Mein Atem geht schnell,
wie unerbittliche Wellen.
Der Alptraum mag nicht enden
wird er mich verblenden?
Mein Schrei hallt laut
von Ängsten erbaut.
Und ich ertrinke..

 

 

Karl Herloßsohn (Samstag, 15. Januar 2022 14:42)

 

Abschied

Wenn die Schwalben heimwärts zieh'n,
wenn die Rosen nicht mehr blüh'n,
wenn der Nachtigall Gesang
mit der Nachtigall verklang.
Fragt das Herz in bangem Schmerz:
“Ob ich Euch wohl wieder seh'?” -
Scheiden, ach Scheiden tut weh!“

Wenn die Schwäne südwärts ziehn,
dorthin, wo Orangen blüh'n,
wenn das Abendrot versinkt,
durch die grünen Wipfel blinkt.
Fragt das Herz in bangem Schmerz:
“Ob ich Euch auch wieder seh'?
Scheiden, ach Scheiden tut weh!”

Armes Herz, was klagest Du!
Ach Du gehst auch einst zur Ruh!
Was auf Erden, - muss vergeh'n,
gibt es dort ein Wiedersehn?
Fragt das Herz im bangen Schmerz: -
“Tut auch hier das Scheiden weh?
Glaub', dass ich Dich wiederseh.”


 

Lilo Kuhn (Freitag, 07. Januar 2022 14:51)

 

Was wir haben

Was wir haben, wollen wir nicht teilen,
was wir teilen können, brauchen wir nicht.
Was wir sind, wollen wir nicht bleiben,
wo wir hinwollen, kommen wir nie an.
Was wir suchen, wollen wir nicht finden,
was wir finden können, suchen wir nicht.
Was wir sind, wollen wir nicht schätzen,
was wir leben, wollen wir nicht sterben.

 

 

Horst Rehmann (Donnerstag, 06. Januar 2022 16:43)

 

Ein gewisses Lied


Wenn ein gewisses Lied erklingt,

aus meiner einst´gen Jugendzeit,

und mir Erinnerungen bringt,
aus Tagen der Vergangenheit.

Dann verspür ich heiße Liebe,
mitten drin in meinem Herzen,
und auch ein paar starke Hiebe,
von erlebten Seelenschmerzen.

Ein Vöglein nah bei mir wie nie,
hat mit sein Piepsen mich geweckt,

es hat die Liebesmelodie,

gewiss in meinem Herz entdeckt.

Von diesen Zeiten träum ich gern,

doch das Erwachen trübt mein Herz,

denn dies gewisse Lied - im Kern,

bereitet mir noch heute – Schmerz.

 

 

Micha Schneider (Sonntag, 26. September 2021 14:34)

 

Die Leiche beim Teiche

Das Eichhorn auf der Eiche
hört aus dem Feld Gekreische.
Ein Frosch im nahen Teiche
hört ganz genau das Gleiche.
Er quakt: „So klingt die Weiche
am Bahngleis vor dem Deiche!“
Da kontert die Blindschleiche,
ein Messerstich ins Fleische,
sei Grund für das Gekreische.
„So ist es!“ sagt die Schleiche.
Und zum Beweis, da reiche
ein Blick ins Feld beim Teiche:
Dort liege eine bleiche,
nun völlig stille Leiche.

 

 

Eric Niegum (Dienstag, 21. September 2021 16:28)

 

Im Schatten dieser Weide ruht
Ein armer Mensch, nicht schlimm noch gut.
Er hat gefühlt mehr als gedacht,
Hat mehr geweint als er gelacht;
Er hat geliebt und viel gelitten,
Hat schwer gekämpft und - nichts erstritten.
Nun liegt er endlich sanft gestreckt,
Wünscht nicht zu werden auferweckt.
Wollt Gott an ihm das Wunder tun,
Er bäte: Herr, o lass mich ruhn!

 

 

Heinrich Campe (Dienstag, 21. September 2021 14:58)

 

Also hat es dir gefallen...

Also hat es dir gefallen
Hier in dieser schönen Welt;
So dass das Vondannenwallen
Dir nicht sonderlich gefällt.

Lass dich das doch nicht verdrießen.
Wenn du wirklich willst und meinst,
Wirst du wieder aufersprießen;
Nur nicht ganz genau wie einst.

Aber, Alter, das bedenke,
Dass es hier doch manches gibt,
Zum Exempel Gicht und Ränke,
Was im ganzen unbeliebt.

 

 

Julius Bierbaum (Dienstag, 21. September 2021 14:57)

 

Abschied

Das Leben ist voller Gier und Streit,
- Hüte dich, kleines Vöglein! -
Viel große Schnäbel steh'n weit
Und böse offen und heiß bereit,
Dich zu zerreißen.

Dein Herzchen schwillt, dein Kehlchen klingt,
- Hüte dich kleines Vöglein! -
Der Geier kommt, der dich verschlingt;
Du, so beseelt und bunt beschwingt,
Zuckst in den Fängen.

Mir ist so bitterbang zumut,
- Hüte dich, kleines Vöglein!-
Ich weiß nun bald, wie sterben tut,
Und lass mich tragen von der Flut,
Die alles fortschwemmt.

 

 

Joseph Weinheber (Sonntag, 19. September 2021 20:34)

 

Kammermusik

Erste Geige:
Ich, in die Schönheit dieser Welt verliebt,
beschenke sie mit meiner eignen Schöne.
Die Welt ist ohne Abgrund. Strömend gibt
mein Herz sich aus. Ich bin nur Lied: Ich töne.

Zweite Geige:
Mir, neben lichterm Wesen, ist verwehrt,
ein Ich zu haben. Nicht die Welt - doch fester
und wirklicher: die Erd hat mich belehrt.
Dort dunkelt es. Laß dich begleiten, Schwester!

Bratsche:
Mein grauer Scheitel macht es mir zur Pflicht,
den Abgrund euch zu nennen. Wie ihr beide
verschwistert hingeht, Kindliche, besticht
selbst noch der Streit um nichts. Ich aber leide.

Cello:
Ich weiß zutiefst, daß alles Schicksal ist,
das schön Getane und das Unerlöste.
Ich bin dem Ganzen treu: Genießt und büßt!
Ich warne nicht. Ich weine mit. Ich tröste.

 

 

Juliane Baucke (Sonntag, 19. September 2021 19:54)

 

Das Orchester

Wir nannten den Maestro 'nen scharfen Hund -
er brüllte: "Was ist denn das für ein Harfenschund"
So kam es, daß selbst unsere Bratschen wachten:
sie wußten, daß Patzer Watschen brachten.

Es quält sehr oft unsre ersten Geigen
der Durst nach dem Saft, der gersteneigen.
Wenn unsre Zweiten zur Neige gehen,
dann müssen wir halt noch 'ne Geige nähen.

Platz fand der Cellist für den Stachel keinen
(der Boden war aus Kachelsteinen) -
drum läßt er den Boden nur gleiten seicht,
was kaum noch dem Streichen auf Saiten gleicht.

Nur der eine Stelle als Bass kriegt,
der seine Finger ganz krass biegt.

Zum Komponist der Trompeter: "Wir sind Deine Kämpfer!
Doch bitte, verpaß uns keine Dämpfer."
Wer in des Tubisten Dunst kauert,
der fragt sich, wie lang dessen Kunst dauert.

Die Hörner aus den Stützen föhnten,
die Hörer unter Fürzen stöhnten;
doch wenn sie die Kannen zum Schmettern brachten,
dann konnten sie selbst beim Brettern schmachten.

Ich hab' schon manchen staunen sehn,
der zuhörend mußt' vor Posaunen stehn.
Zu Boden möcht' selbst vor lauter Krach fallen,
wenn sie sich jemanden vom Fach krallen.

Wenn tief herrscht in den in den Flöten Trauer,
dann klingen ihre Tröten flauer.
Voll Mitleid muß der Spötter gucken,
hört er, was die fagötter spucken.

Das Publium liebt Klarinetters Gehudel noch,
kommt ihm selbst schon längst das Genudel hoch.
Der Oboist muß stets noch was am Rohr tun.
Erst danach kann der arme Tor ruhn.

Wenn der Schlegel schlecht auf's Fell schnellt,
des Paukisten Laune schnell fällt.
der Trianglist sacht zum Wecken bimmelt,
weil's gleich von Schlägen aufs Becken wimmelt.

 

 

Johann Krips (Sonntag, 19. September 2021 19:53)

 

Johann Krips, ein Tutti – Bratscher
war des Lebens nimmer froh.
„Ich spiel im Provinz-Orchester -
und könnt doch spielen anderswo !“

Mit dem Sein, das ihm beschieden
war Johann also unzufrieden,
denn er fühlte gar zu gern
berufen sich zu Größerem.

Johann Krips, der Tutti – Bratscher
ist nur als Beispiel hier genannt.
Denn es gibt unzähl´ge Bratscher
deren Können wird verkannt.

 

 

Margo Könnecker (Sonntag, 19. September 2021 19:33)

 

Die Schnecken

Rötlich dämmert es im Westen
Und der laute Tag verklingt,
Nur daß auf den höchsten Ästen
Lieblich noch die Drossel singt.

Jetzt in dichtbelaubten Hecken,
Wo es still verborgen blieb,
Rüstet sich das Volk der Schnecken
Für den nächtlichen Betrieb.

Tastend streckt sich ihr Gehörne.
Schwach nur ist das Augenlicht.
Dennoch schon aus weiter Ferne
Wittern sie ihr Leibgericht.

Schleimig, säumig, aber stete,
Immer auf dem nächsten Pfad,
Finden sie die Gartenbeete
Mit dem schönsten Kopfsalat.

Hier vereint zu ernsten Dingen
Bis zum Morgensonnenschein,
Nagen sie geheim und dringen
Tief ins grüne Herz hinein.

Darum braucht die Köchin Jettchen
Dieses Kraut nie ohne Arg.
Sorgsam prüft sie jedes Blättchen,
Ob sich nichts darin verbarg.

Sie hat Furcht, den Zorn zu wecken
Ihres lieben gnäd'gen Herrn.
Kopfsalat vermischt mit Schnecken
Mag der alte Kerl nicht gern.

 

 

Elfriede Stark (Montag, 02. August 2021 13:51)

 

Wo alle Pflanzen gut geraten?
Natürlich hier in meinem Garten.
Hier geh` ich hin, hier bin ich Ich;
mein schöner Garten ist Glück für mich.

 

 

Werner Friedrich (Montag, 23. August 2021 15:32)

 

Bin ich dereinst gebrechlich und schwach,
und quälende Pein hält ständig mich wach,
was Du dann tun musst – tu es allein.
Die letzte Schlacht wird verloren sein.

Dass Du sehr traurig, verstehe ich wohl.
Deine Hand vor Kummer nicht zögern soll.
An diesem Tag – mehr als jemals geschehn –
muss Deine Freundschaft das Schwerste bestehn.

Wir leben zusammen in Jahren voll Glück.
Furcht vor dem Muss? Es gibt kein Zurück.
Du möchtest doch nicht, dass ich leide dabei.
Drum gib, wenn die Zeit kommt, bitte mich frei.

Nur- bitte bleibe bei mir bis zum Schluss
auch wenn es für Dich schwer sein muss.
Und halte mich fest und red mir gut zu,
bis meine Augen kommen zur Ruh.

Mit der Zeit – ich bin sicher – wirst Du es wissen,
es war Deine Liebe, die Du mir erwiesen.
Vertrauende Blicke ein letztes Mal –
Du hast mich befreit von Schmerz und Qual.

Und gräme Dich nicht, wenn Du es einst bist,
der Herr dieser schweren Entscheidung ist.
Wir waren beide so innig vereint.
Es darf nicht sein, dass Dein Herz um mich weint.

 

 

Astrid Schulzke (Donnerstag, 19. August 2021 22:19)

 

Gerechte Aufteilung

Ich muss dich leider nun verlassen,
mir ist schon klar, das willst du nicht.
Denk’ mir, du wirst mich fortan hassen,
ein jeder hat da seine Sicht.

Mir wär’ es lieb, du nimmst die Katze
mitsamt dem übel riechend’ Klo
und unser Bett mit der Matratze,
aus Seegras und biotisch Stroh.

Die Kaffeetafel mit den Ranken,
die Tante Rottraut uns vermacht’,
um die würd’ ich mich auch nicht zanken,
nicht, dass es hier noch sinnlos kracht.

Im Kästchen mit den vielen Bildern
von unserer Reise nach Venedig
würd’ ich auch gar nicht groß drin wildern,
nimm sie dir gern, ich bin da gnädig.

Die Kinder und die zahmen Ratten
lass ich bei dir, das wird dich freuen,
dafür nehm’ ich die Hängematten,
die kannst du eh nicht recht vertäuen.

Das Haus, das Auto und das Boot
muss leider ich als meins betrachten,
und hoffe doch, du siehst nicht rot,
ich lass dich gern mal übernachten.

 

 

Inge Renner (Dienstag, 03. August 2021 20:55)

 

Todes - Erfahrung

Wir wissen nichts von diesem Hingehn, das
nicht mit uns teilt. Wir haben keinen Grund,
Bewunderung und Liebe oder Hass
dem Tod zu zeigen, den ein Maskenmund

tragischer Klage wunderlich entstellt.
Noch ist die Welt voll Rollen, die wir spielen.
Solang wir sorgen, ob wir auch gefielen,
spielt auch der Tod, obwohl er nicht gefällt.

Doch als du gingst, da brach in diese Bühne
ein Streifen Wirklichkeit durch jenen Spalt
durch den du hingingst: Grün wirklicher Grüne,
wirklicher Sonnenschein, wirklicher Wald.

Wir spielen weiter. Bang und schwer Erlerntes
hersagend und Gebärden dann und wann
aufhebend; aber dein von uns entferntes,
aus unserm Stück entrücktes Dasein kann

uns manchmal überkommen, wie ein Wissen
von jener Wirklichkeit sich niedersenkend,
so dass wir eine Weile hingerissen
das Leben spielen, nicht an Beifall denkend.

 

 

Peer Gishod (Samstag, 31. Juli 2021 15:14)

 

Beginn des Ende

Ein Punkt nur ist es, kaum ein Schmerz,
Nur ein Gefühl, empfunden eben;
Und dennoch spricht es stets darein,
Und dennoch stört es dich zu leben.

Wenn du es andern klagen willst,
So kannst du's nicht in Worte fassen.
Du sagst dir selber: "Es ist nichts!"
Und dennoch will es dich nicht lassen.

So seltsam fremd wird dir die Welt,
Und leis verlässt dich alles Hoffen,
Bist du es endlich, endlich weißt,
Dass dich des Todes Pfeil getroffen.

 

 

Martin Bleile (Dienstag, 27. Juli 2021 17:25)

 

Einen kenne ich

Einen kenne ich,
Wir lieben ihn nicht,
Einen nenne ich,
Der die Schwerter zerbricht!
Weh! sein Haupt steht in der Mitternacht,
Sein Fuß in der Erde Staub,
Vor ihm wehet das Laub
Zur dunklen Erde hernieder;
Ohn Erbarmen
In den Armen
Trägt er die kindische,
Taumelnde Welt!
Tod – so heißt er!
Und die Geister
Beben vor ihm, dem schrecklichen Held!

 

 

Gabi Mehler (Dienstag, 27. Juli 2021 17:25)

 

Letzte Fahrt

An meinem Todestag – ich werd ihn nicht erleben –
da soll es mittags Rote Grütze geben,
mit einer fetten, weißen Sahneschicht …
Von wegen: Leibgericht.

Mein Kind, der Ludolf, bohrt sich kleine Dinger
aus seiner Nase – niemand haut ihm auf die Finger.
Er strahlt, als einziger, im Trauerhaus.
Und ich lieg da und denk: »Ach, polk dich aus!«

Dann tragen Männer mich vors Haus hinunter.
Nun faßt der Karlchen die Blondine unter,
die mir zuletzt noch dies und jenes lieh …
Sie findet: Trauer kleidet sie.

Der Zug ruckt an. Und alle Damen,
die jemals, wenn was fehlte, zu mir kamen:
vollzählig sind sie heut noch einmal da …
Und vorne rollt Papa.

Da fährt die erste, die ich damals ohne
die leiseste Erfahrung küßte – die Matrone
sitzt schlicht im Fond, mit kleinem Trauerhut.
Altmodisch war sie – aber sie war gut.

Und Lotte! Lottchen mit dem kleinen Jungen!
Briefträger jetzt! Wie ist mir der gelungen?
Ich sah ihn nie. Doch wo er immer schritt:
mein Postscheck ging durch sechzehn Jahre mit.

Auf rotem samtnen Kissen, im Spaliere,
da tragen feierlich zwei Reichswehroffiziere
die Orden durch die ganze Stadt
die mir mein Kaiser einst verliehen hat.

Und hinterm Sarg mit seinen Silberputten,
da schreiten zwoundzwonzig Nutten –
sie schluchzen innig und mit viel System.
Ich war zuletzt als Kunde sehr bequem.

Das Ganze halt! Jetzt wird es dionysisch!
Nun singt ein Chor: Ich lächle metaphysisch.
Wie wird die schwarzgestrichne Kiste groß!
Ich schweige tief.
Und bin mich endlich los.

 

 

Sahra Dreer (Montag, 26. Juli 2021 20:41)

 

Ganz unverhofft an einem Hügel
sind sich begegnet Fuchs und Igel.
Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht!
Kennst du des Königs Ordre nicht?
Ist nicht der Friede längst verkündigt,
und weißt du nicht, dass jeder sündigt,
der immer noch gerüstet geht?
Im Namen seiner Majestät,
geh her und übergib dein Fell,
Der Igel sprach: Nur nicht so schnell.
Lass dir erst deine Zähne brechen,
dann wollen wir uns weiter sprechen!
Und allsogleich macht er sich rund,
schließt seinen dichten Stachelbund
und trotzt getrost der ganzen Welt,
bewaffnet, doch als Friedensheld.

 

 

Elmar Wisch (Samstag, 26. Juni 2021 17:57)

 

Mein Lebenslauf ist bald erzählt,
In stiller Ewigkeit verloren
Schlief ich, und nichts hat mir gefehlt,
Bis daß ich sichtbar ward geboren.
Was aber nun? – Auf schwachen Krücken,
Ein leichtes Bündel auf dem Rücken,
Bin ich getrost dahingeholpert,
Bin über manchen Stein gestolpert,
Mitunter grad, mitunter krumm,
Und schließlich mußt’ ich mich verschnaufen.
Bedenklich rieb ich meine Glatze
Und sah mich in der Gegend um.
0 weh! Ich war im Kreis gelaufen,
Stand wiederum am alten Platze,
Und vor mir dehnt sich lang und breit,
Wie ehedem, die Ewigkeit.

 

 

Helga Fischer (Samstag, 26. Juni 2021 17:56)

 

MUSS ICH MICH SCHON WIEDER PLAGEN?
Also wieder ein Gedicht?
Soll ich wagen Nein! zu sagen?
Nein, ich bin kein Bösewicht!

Dehne dich, Poetenleder!
Werde flüssig, alter Leim!
Sieh, schon tröpfelt aus der Feder
Der mit Angst gesuchte Reim!

Und so zeig’ ich mit Vergnügen
Mich als einen netten Herrn.
Ach, mitunter muß man lügen,
Und mitunter lügt man gern!

 

 

Anya Diepolz (Sonntag, 20. Juni 2021 23:50)

 

Oft ist das Denken schwer, indes
das Schreiben geht auch ohne es.
Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat.

 

 

Lars Abel (Donnerstag, 24. Juni 2021 16:59)

 

Ich stehe vor dem Weizenfeld,
mit nichts als meinem Leben,
ein Vogelschrei herübergellt
vom Waldesrand soeben

Weil es sich in sein Schicksal fügt,
muss es nicht hinterfragen,
weil es mit wenig sich begnügt,
wird reiche Frucht es tragen

Ob nun der Vogel Schmerz besingt,
der eben da geschrien,
ob Wonne seinen Ruf bedingt?
Es bleibt bei Theorien..

Ich stehe also vor dem Feld,
mit allen meinen Fragen,
wie jemand, der kurz innehält,
da Zweifel an ihm nagen..

 

 

Gabi Uhmann (Donnerstag, 24. Juni 2021 15:13)

 

Menschen und Krieg

Menschen trachten nach Sieg,
erfinden und bauen Waffen.
Um sich zu erschießen im Krieg,
so sie sich selber abschaffen.

Da haben Mäuse was voraus,
habe bei ihnen nachgeschaut.
Dabei nie entdeckt, dass Maus,
sich seine Falle selber baut.

 

 

Heinz Bernhard Ruprecht (Donnerstag, 24. Juni 2021 15:12)

 

Der Feuerteufel

Als kleiner zwar und böser Wicht,
lebt er in Glut und Sonnenlicht,
fühlt sich nur, wenn’s heiß ist wohl,
trinkt gern Benzin und auch Benzol,
verschlingt das Holz er geradezu,
kennt keine Gnade und Tabu!

Im Vulkan da brennt die Luft,
da schläft er tief in einer Gruft!
Wacht auf er dann, ist schlecht gelaunt,
sich Druck und Frust dann schnell aufbaut!
Bricht aus mit ihm dann der Vulkan,
führt er sich auf, wie ein Titan!

Brennt überall es lichterloh,
Wälder, Scheune, oder Stroh,
rücken aus, die roten Flitzer!
Grimmig drein schau‘n die Gesichter!
Wird vollgespritzt er und ertränkt,
bis wieder stänkert er und brennt!