Gedichte

 

 

Unerwartet bin ich in den Besitz einer Gedichtesammlung gekommen. Ich selbst sehe mich ja nicht als Dichter. Außer dem Feuerteufel ist mir ja nichts von Bedeutung auf diesem Gebiet gelungen. Vielen Dank für das Geschenk!

 

 

Micha Schneider (Sonntag, 26. September 2021 14:34)

 

Die Leiche beim Teiche

Das Eichhorn auf der Eiche
hört aus dem Feld Gekreische.
Ein Frosch im nahen Teiche
hört ganz genau das Gleiche.
Er quakt: „So klingt die Weiche
am Bahngleis vor dem Deiche!“
Da kontert die Blindschleiche,
ein Messerstich ins Fleische,
sei Grund für das Gekreische.
„So ist es!“ sagt die Schleiche.
Und zum Beweis, da reiche
ein Blick ins Feld beim Teiche:
Dort liege eine bleiche,
nun völlig stille Leiche.

 

 

Eric Niegum (Dienstag, 21. September 2021 16:28)

 

Im Schatten dieser Weide ruht
Ein armer Mensch, nicht schlimm noch gut.
Er hat gefühlt mehr als gedacht,
Hat mehr geweint als er gelacht;
Er hat geliebt und viel gelitten,
Hat schwer gekämpft und - nichts erstritten.
Nun liegt er endlich sanft gestreckt,
Wünscht nicht zu werden auferweckt.
Wollt Gott an ihm das Wunder tun,
Er bäte: Herr, o lass mich ruhn!

 

 

Heinrich Campe (Dienstag, 21. September 2021 14:58)

 

Also hat es dir gefallen...

Also hat es dir gefallen
Hier in dieser schönen Welt;
So dass das Vondannenwallen
Dir nicht sonderlich gefällt.

Lass dich das doch nicht verdrießen.
Wenn du wirklich willst und meinst,
Wirst du wieder aufersprießen;
Nur nicht ganz genau wie einst.

Aber, Alter, das bedenke,
Dass es hier doch manches gibt,
Zum Exempel Gicht und Ränke,
Was im ganzen unbeliebt.

 

 

Julius Bierbaum (Dienstag, 21. September 2021 14:57)

 

Abschied

Das Leben ist voller Gier und Streit,
- Hüte dich, kleines Vöglein! -
Viel große Schnäbel steh'n weit
Und böse offen und heiß bereit,
Dich zu zerreißen.

Dein Herzchen schwillt, dein Kehlchen klingt,
- Hüte dich kleines Vöglein! -
Der Geier kommt, der dich verschlingt;
Du, so beseelt und bunt beschwingt,
Zuckst in den Fängen.

Mir ist so bitterbang zumut,
- Hüte dich, kleines Vöglein!-
Ich weiß nun bald, wie sterben tut,
Und lass mich tragen von der Flut,
Die alles fortschwemmt.

 

 

Joseph Weinheber (Sonntag, 19. September 2021 20:34)

 

Kammermusik

Erste Geige:
Ich, in die Schönheit dieser Welt verliebt,
beschenke sie mit meiner eignen Schöne.
Die Welt ist ohne Abgrund. Strömend gibt
mein Herz sich aus. Ich bin nur Lied: Ich töne.

Zweite Geige:
Mir, neben lichterm Wesen, ist verwehrt,
ein Ich zu haben. Nicht die Welt - doch fester
und wirklicher: die Erd hat mich belehrt.
Dort dunkelt es. Laß dich begleiten, Schwester!

Bratsche:
Mein grauer Scheitel macht es mir zur Pflicht,
den Abgrund euch zu nennen. Wie ihr beide
verschwistert hingeht, Kindliche, besticht
selbst noch der Streit um nichts. Ich aber leide.

Cello:
Ich weiß zutiefst, daß alles Schicksal ist,
das schön Getane und das Unerlöste.
Ich bin dem Ganzen treu: Genießt und büßt!
Ich warne nicht. Ich weine mit. Ich tröste.

 

 

Juliane Baucke (Sonntag, 19. September 2021 19:54)

 

Das Orchester

Wir nannten den Maestro 'nen scharfen Hund -
er brüllte: "Was ist denn das für ein Harfenschund"
So kam es, daß selbst unsere Bratschen wachten:
sie wußten, daß Patzer Watschen brachten.

Es quält sehr oft unsre ersten Geigen
der Durst nach dem Saft, der gersteneigen.
Wenn unsre Zweiten zur Neige gehen,
dann müssen wir halt noch 'ne Geige nähen.

Platz fand der Cellist für den Stachel keinen
(der Boden war aus Kachelsteinen) -
drum läßt er den Boden nur gleiten seicht,
was kaum noch dem Streichen auf Saiten gleicht.

Nur der eine Stelle als Bass kriegt,
der seine Finger ganz krass biegt.

Zum Komponist der Trompeter: "Wir sind Deine Kämpfer!
Doch bitte, verpaß uns keine Dämpfer."
Wer in des Tubisten Dunst kauert,
der fragt sich, wie lang dessen Kunst dauert.

Die Hörner aus den Stützen föhnten,
die Hörer unter Fürzen stöhnten;
doch wenn sie die Kannen zum Schmettern brachten,
dann konnten sie selbst beim Brettern schmachten.

Ich hab' schon manchen staunen sehn,
der zuhörend mußt' vor Posaunen stehn.
Zu Boden möcht' selbst vor lauter Krach fallen,
wenn sie sich jemanden vom Fach krallen.

Wenn tief herrscht in den in den Flöten Trauer,
dann klingen ihre Tröten flauer.
Voll Mitleid muß der Spötter gucken,
hört er, was die fagötter spucken.

Das Publium liebt Klarinetters Gehudel noch,
kommt ihm selbst schon längst das Genudel hoch.
Der Oboist muß stets noch was am Rohr tun.
Erst danach kann der arme Tor ruhn.

Wenn der Schlegel schlecht auf's Fell schnellt,
des Paukisten Laune schnell fällt.
der Trianglist sacht zum Wecken bimmelt,
weil's gleich von Schlägen aufs Becken wimmelt.

 

 

Johann Krips (Sonntag, 19. September 2021 19:53)

 

Johann Krips, ein Tutti – Bratscher
war des Lebens nimmer froh.
„Ich spiel im Provinz-Orchester -
und könnt doch spielen anderswo !“

Mit dem Sein, das ihm beschieden
war Johann also unzufrieden,
denn er fühlte gar zu gern
berufen sich zu Größerem.

Johann Krips, der Tutti – Bratscher
ist nur als Beispiel hier genannt.
Denn es gibt unzähl´ge Bratscher
deren Können wird verkannt.

 

 

Margo Könnecker (Sonntag, 19. September 2021 19:33)

 

Die Schnecken

Rötlich dämmert es im Westen
Und der laute Tag verklingt,
Nur daß auf den höchsten Ästen
Lieblich noch die Drossel singt.

Jetzt in dichtbelaubten Hecken,
Wo es still verborgen blieb,
Rüstet sich das Volk der Schnecken
Für den nächtlichen Betrieb.

Tastend streckt sich ihr Gehörne.
Schwach nur ist das Augenlicht.
Dennoch schon aus weiter Ferne
Wittern sie ihr Leibgericht.

Schleimig, säumig, aber stete,
Immer auf dem nächsten Pfad,
Finden sie die Gartenbeete
Mit dem schönsten Kopfsalat.

Hier vereint zu ernsten Dingen
Bis zum Morgensonnenschein,
Nagen sie geheim und dringen
Tief ins grüne Herz hinein.

Darum braucht die Köchin Jettchen
Dieses Kraut nie ohne Arg.
Sorgsam prüft sie jedes Blättchen,
Ob sich nichts darin verbarg.

Sie hat Furcht, den Zorn zu wecken
Ihres lieben gnäd'gen Herrn.
Kopfsalat vermischt mit Schnecken
Mag der alte Kerl nicht gern.

 

 

Elfriede Stark (Montag, 02. August 2021 13:51)

 

Wo alle Pflanzen gut geraten?
Natürlich hier in meinem Garten.
Hier geh` ich hin, hier bin ich Ich;
mein schöner Garten ist Glück für mich.

 

 

Tanja Schneid (Dienstag, 14. September 2021 21:00)

 

Im Himmel ist der Teufel los,

Frau Sonne kann nicht scheinen,
man hat ihr ihre Strahlen geklaut -
die Engel alle weinen.
Die Sonne taucht mit rotem Kopf

ins tiefe Meer hinein,
und Mensch und Tier die bangen nun -
was tun wir ohne Sonnenschein ?
Es kann nicht sein - Herr Mond hat sie -
er wollte auch mal wärmen,
das ging nicht gut - er sah es ein -
er müßte es erst lernen.
Zerbrochen waren die Strahlen nun -
Frau Sonne sah die Scherben,
mein Gott hilf mir in meiner Not

laß unsre Welt doch nicht verderben.

Die Englein mit den zarten Händen

sie knüpfen aus ihren goldnen Haaren,
die schönsten Sonnenstrahlen -
so schön noch nie sie waren.
Frau Sonne reicht Herrn Mond die Hand -
sie hat ihm längst verziehen,
denn jeder zieht doch seine Bahn -
er wollt die Strahlen nur geliehen.
Die Moral von der Geschicht' -
glaubst du's oder glaubst du's nicht ?
Fahr' zur Sonne - fahr' zum Mond -
dann erfährst du es schon !

 

 

Miriam Nidisch (Dienstag, 14. September 2021 14:11)

 

HERAKLION

morgengrauen
die bettler gehen vor anker
die schiffe liegen schon da
ein einbeiniger verwartet sein leben
bis der tod ihm auch das andere nimmt
die freiheit von allen leiden
liegt in der luft aber du weißt nicht
ob der große jubel anbrechen wird
den die traktate versprechen
seliges hindämmern im schattigen garten
von flüssen durchflossen der grünt
in der hoffnung der denkfaulen
oder ob die sechzehn-stunden-sonne
weiter den gelben untergrund
des hafens bloßschlägt
stein und brake fallen ohne anzuhalten
die spur einer anderen heimat zurück
als ein besorgtes nachtgebet
deiner kindheit sie dir beschrieb
du ißt die schwere
liegst deinen abdruck in ihr
aber das licht schürft schon die mulde aus
der mittag schläft breit
über den händen der bettler
die wie segel herabhängen

 

 

Peter Feige (Mittwoch, 25. August 2021 22:24)

 

Dass wir erschraken, da du starbst, nein,
dass dein starker Tod uns dunkel unterbrach,
das Bisdahin abreißend vom Seither:
das geht uns an;
das einzuordnen wird die Arbeit sein,
die wir mit allem tun.

 

 

Werner Friedrich (Montag, 23. August 2021 15:32)

 

Bin ich dereinst gebrechlich und schwach,
und quälende Pein hält ständig mich wach,
was Du dann tun musst – tu es allein.
Die letzte Schlacht wird verloren sein.

Dass Du sehr traurig, verstehe ich wohl.
Deine Hand vor Kummer nicht zögern soll.
An diesem Tag – mehr als jemals geschehn –
muss Deine Freundschaft das Schwerste bestehn.

Wir leben zusammen in Jahren voll Glück.
Furcht vor dem Muss? Es gibt kein Zurück.
Du möchtest doch nicht, dass ich leide dabei.
Drum gib, wenn die Zeit kommt, bitte mich frei.

Nur- bitte bleibe bei mir bis zum Schluss
auch wenn es für Dich schwer sein muss.
Und halte mich fest und red mir gut zu,
bis meine Augen kommen zur Ruh.

Mit der Zeit – ich bin sicher – wirst Du es wissen,
es war Deine Liebe, die Du mir erwiesen.
Vertrauende Blicke ein letztes Mal –
Du hast mich befreit von Schmerz und Qual.

Und gräme Dich nicht, wenn Du es einst bist,
der Herr dieser schweren Entscheidung ist.
Wir waren beide so innig vereint.
Es darf nicht sein, dass Dein Herz um mich weint.

 

 

Astrid Schulzke (Donnerstag, 19. August 2021 22:19)

 

Gerechte Aufteilung

Ich muss dich leider nun verlassen,
mir ist schon klar, das willst du nicht.
Denk’ mir, du wirst mich fortan hassen,
ein jeder hat da seine Sicht.

Mir wär’ es lieb, du nimmst die Katze
mitsamt dem übel riechend’ Klo
und unser Bett mit der Matratze,
aus Seegras und biotisch Stroh.

Die Kaffeetafel mit den Ranken,
die Tante Rottraut uns vermacht’,
um die würd’ ich mich auch nicht zanken,
nicht, dass es hier noch sinnlos kracht.

Im Kästchen mit den vielen Bildern
von unserer Reise nach Venedig
würd’ ich auch gar nicht groß drin wildern,
nimm sie dir gern, ich bin da gnädig.

Die Kinder und die zahmen Ratten
lass ich bei dir, das wird dich freuen,
dafür nehm’ ich die Hängematten,
die kannst du eh nicht recht vertäuen.

Das Haus, das Auto und das Boot
muss leider ich als meins betrachten,
und hoffe doch, du siehst nicht rot,
ich lass dich gern mal übernachten.

 

 

Inge Renner (Dienstag, 03. August 2021 20:55)

 

Todes - Erfahrung

Wir wissen nichts von diesem Hingehn, das
nicht mit uns teilt. Wir haben keinen Grund,
Bewunderung und Liebe oder Hass
dem Tod zu zeigen, den ein Maskenmund

tragischer Klage wunderlich entstellt.
Noch ist die Welt voll Rollen, die wir spielen.
Solang wir sorgen, ob wir auch gefielen,
spielt auch der Tod, obwohl er nicht gefällt.

Doch als du gingst, da brach in diese Bühne
ein Streifen Wirklichkeit durch jenen Spalt
durch den du hingingst: Grün wirklicher Grüne,
wirklicher Sonnenschein, wirklicher Wald.

Wir spielen weiter. Bang und schwer Erlerntes
hersagend und Gebärden dann und wann
aufhebend; aber dein von uns entferntes,
aus unserm Stück entrücktes Dasein kann

uns manchmal überkommen, wie ein Wissen
von jener Wirklichkeit sich niedersenkend,
so dass wir eine Weile hingerissen
das Leben spielen, nicht an Beifall denkend.

 

 

Peer Gishod (Samstag, 31. Juli 2021 15:14)

 

Beginn des Ende

Ein Punkt nur ist es, kaum ein Schmerz,
Nur ein Gefühl, empfunden eben;
Und dennoch spricht es stets darein,
Und dennoch stört es dich zu leben.

Wenn du es andern klagen willst,
So kannst du's nicht in Worte fassen.
Du sagst dir selber: "Es ist nichts!"
Und dennoch will es dich nicht lassen.

So seltsam fremd wird dir die Welt,
Und leis verlässt dich alles Hoffen,
Bist du es endlich, endlich weißt,
Dass dich des Todes Pfeil getroffen.

 

 

Martin Bleile (Dienstag, 27. Juli 2021 17:25)

 

Einen kenne ich

Einen kenne ich,
Wir lieben ihn nicht,
Einen nenne ich,
Der die Schwerter zerbricht!
Weh! sein Haupt steht in der Mitternacht,
Sein Fuß in der Erde Staub,
Vor ihm wehet das Laub
Zur dunklen Erde hernieder;
Ohn Erbarmen
In den Armen
Trägt er die kindische,
Taumelnde Welt!
Tod – so heißt er!
Und die Geister
Beben vor ihm, dem schrecklichen Held!

 

 

Gabi Mehler (Dienstag, 27. Juli 2021 17:25)

 

Letzte Fahrt

An meinem Todestag – ich werd ihn nicht erleben –
da soll es mittags Rote Grütze geben,
mit einer fetten, weißen Sahneschicht …
Von wegen: Leibgericht.

Mein Kind, der Ludolf, bohrt sich kleine Dinger
aus seiner Nase – niemand haut ihm auf die Finger.
Er strahlt, als einziger, im Trauerhaus.
Und ich lieg da und denk: »Ach, polk dich aus!«

Dann tragen Männer mich vors Haus hinunter.
Nun faßt der Karlchen die Blondine unter,
die mir zuletzt noch dies und jenes lieh …
Sie findet: Trauer kleidet sie.

Der Zug ruckt an. Und alle Damen,
die jemals, wenn was fehlte, zu mir kamen:
vollzählig sind sie heut noch einmal da …
Und vorne rollt Papa.

Da fährt die erste, die ich damals ohne
die leiseste Erfahrung küßte – die Matrone
sitzt schlicht im Fond, mit kleinem Trauerhut.
Altmodisch war sie – aber sie war gut.

Und Lotte! Lottchen mit dem kleinen Jungen!
Briefträger jetzt! Wie ist mir der gelungen?
Ich sah ihn nie. Doch wo er immer schritt:
mein Postscheck ging durch sechzehn Jahre mit.

Auf rotem samtnen Kissen, im Spaliere,
da tragen feierlich zwei Reichswehroffiziere
die Orden durch die ganze Stadt
die mir mein Kaiser einst verliehen hat.

Und hinterm Sarg mit seinen Silberputten,
da schreiten zwoundzwonzig Nutten –
sie schluchzen innig und mit viel System.
Ich war zuletzt als Kunde sehr bequem.

Das Ganze halt! Jetzt wird es dionysisch!
Nun singt ein Chor: Ich lächle metaphysisch.
Wie wird die schwarzgestrichne Kiste groß!
Ich schweige tief.
Und bin mich endlich los.

 

 

Tina Veil (Montag, 26. Juli 2021 21:18)

 

Grabschrift

Im Schatten dieser Weide ruht
Ein armer Mensch, nicht schlimm noch gut.
Er hat gefühlt mehr als gedacht,
Hat mehr geweint als er gelacht;
Er hat geliebt und viel gelitten,
Hat schwer gekämpft und - nichts erstritten.
Nun liegt er endlich sanft gestreckt,
Wünscht nicht zu werden auferweckt.
Wollt Gott an ihm das Wunder tun,
Er bäte: Herr, o lass mich ruhn!

 

 

Karin Quitschivo (Montag, 26. Juli 2021 20:42)

 

Abschied

Die Bäume hören auf zu blühn,
Mein Schatz will in die Fremde ziehn;
Mein Schatz, der sprach ein bittres Wort:
Du bleibst nun hier, aber ich muss fort.

Leb wohl, mein Schatz, ich bleib dir treu,
Wo du auch bist, wo ich auch sei.
Bei Regen und bei Sonnenschein,
Solang ich lebe, gedenk ich dein.

Solang ich lebe, lieb ich dich,
Und wenn ich sterbe, bet für mich,
Und wenn du kommst zu meinem Grab,
So denk, dass ich dich geliebet hab.

 

 

Sahra Dreer (Montag, 26. Juli 2021 20:41)

 

Ganz unverhofft an einem Hügel
sind sich begegnet Fuchs und Igel.
Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht!
Kennst du des Königs Ordre nicht?
Ist nicht der Friede längst verkündigt,
und weißt du nicht, dass jeder sündigt,
der immer noch gerüstet geht?
Im Namen seiner Majestät,
geh her und übergib dein Fell,
Der Igel sprach: Nur nicht so schnell.
Lass dir erst deine Zähne brechen,
dann wollen wir uns weiter sprechen!
Und allsogleich macht er sich rund,
schließt seinen dichten Stachelbund
und trotzt getrost der ganzen Welt,
bewaffnet, doch als Friedensheld.

 

 

Werner Schuster (Sonntag, 25. Juli 2021 22:26)

 

Der letzte Gang

Bin ich dereinst gebrechlich und schwach
Und quälende Pein hält mich noch wach
Was Du dann tun musst - tu es allein.
Die letzte Schlacht wird verloren sein.

Dass Du sehr traurig, verstehe ich wohl.
Deine Hand vor Kummer nicht zögern soll.
An diesem Tag - mehr als jemals geschehen -
muss Deine Freundschaft das Schwerste bestehen.

Wir lebten in Jahren voller Glück.
Furcht vor dem Muss?
Es gibt kein Zurück.
Du möchtest doch nicht, dass ich leide dabei.
Drum gib, wenn die Zeit kommt, bitte mich frei!

Begleite mich dahin, wohin ich gehen muss.
Nur - bitte bleibe bei mir bis zum Schluss.
Und halte mich fest und red mir gut zu,
bis meine Augen kommen zur Ruh.

Mit der Zeit - ich bin sicher - wirst Du es wissen,
es war Deine Liebe, die Du mir erwiesen.
Vertrauendes Wedeln ein letztes Mal -
Du hast mich befreit von Schmerzen und Qual.

Und gräme Dich nicht, wenn Du es einst bist -
der Herr dieser schweren Entscheidung ist.
Wir waren beide so innig vereint.
Es soll nicht sein, dass Dein Herz um mich weint.

 

 

Elmar Wisch (Samstag, 26. Juni 2021 17:57)

 

Mein Lebenslauf ist bald erzählt,
In stiller Ewigkeit verloren
Schlief ich, und nichts hat mir gefehlt,
Bis daß ich sichtbar ward geboren.
Was aber nun? – Auf schwachen Krücken,
Ein leichtes Bündel auf dem Rücken,
Bin ich getrost dahingeholpert,
Bin über manchen Stein gestolpert,
Mitunter grad, mitunter krumm,
Und schließlich mußt’ ich mich verschnaufen.
Bedenklich rieb ich meine Glatze
Und sah mich in der Gegend um.
0 weh! Ich war im Kreis gelaufen,
Stand wiederum am alten Platze,
Und vor mir dehnt sich lang und breit,
Wie ehedem, die Ewigkeit.

 

 

Helga Fischer (Samstag, 26. Juni 2021 17:56)

 

MUSS ICH MICH SCHON WIEDER PLAGEN?
Also wieder ein Gedicht?
Soll ich wagen Nein! zu sagen?
Nein, ich bin kein Bösewicht!

Dehne dich, Poetenleder!
Werde flüssig, alter Leim!
Sieh, schon tröpfelt aus der Feder
Der mit Angst gesuchte Reim!

Und so zeig’ ich mit Vergnügen
Mich als einen netten Herrn.
Ach, mitunter muß man lügen,
Und mitunter lügt man gern!

 

 

Anya Diepolz (Sonntag, 20. Juni 2021 23:50)

 

Oft ist das Denken schwer, indes
das Schreiben geht auch ohne es.
Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat.

 

 

Lars Abel (Donnerstag, 24. Juni 2021 16:59)

 

Ich stehe vor dem Weizenfeld,
mit nichts als meinem Leben,
ein Vogelschrei herübergellt
vom Waldesrand soeben

Weil es sich in sein Schicksal fügt,
muss es nicht hinterfragen,
weil es mit wenig sich begnügt,
wird reiche Frucht es tragen

Ob nun der Vogel Schmerz besingt,
der eben da geschrien,
ob Wonne seinen Ruf bedingt?
Es bleibt bei Theorien..

Ich stehe also vor dem Feld,
mit allen meinen Fragen,
wie jemand, der kurz innehält,
da Zweifel an ihm nagen..

 

 

Gabi Uhmann (Donnerstag, 24. Juni 2021 15:13)

 

Menschen und Krieg

Menschen trachten nach Sieg,
erfinden und bauen Waffen.
Um sich zu erschießen im Krieg,
so sie sich selber abschaffen.

Da haben Mäuse was voraus,
habe bei ihnen nachgeschaut.
Dabei nie entdeckt, dass Maus,
sich seine Falle selber baut.

 

 

Heinz Bernhard Ruprecht (Donnerstag, 24. Juni 2021 15:12)

 

Der Feuerteufel

Als kleiner zwar und böser Wicht,
lebt er in Glut und Sonnenlicht,
fühlt sich nur, wenn’s heiß ist wohl,
trinkt gern Benzin und auch Benzol,
verschlingt das Holz er geradezu,
kennt keine Gnade und Tabu!

Im Vulkan da brennt die Luft,
da schläft er tief in einer Gruft!
Wacht auf er dann, ist schlecht gelaunt,
sich Druck und Frust dann schnell aufbaut!
Bricht aus mit ihm dann der Vulkan,
führt er sich auf, wie ein Titan!

Brennt überall es lichterloh,
Wälder, Scheune, oder Stroh,
rücken aus, die roten Flitzer!
Grimmig drein schau‘n die Gesichter!
Wird vollgespritzt er und ertränkt,
bis wieder stänkert er und brennt!

 

 

Jürgen Bauer (Sonntag, 20. Juni 2021 23:37)

 

Der Feuerteufel


Ein Gedicht von Heinz Bernhard Ruprecht


Als kleiner zwar und böser Wicht,
lebt er in Glut und Sonnenlicht,
fühlt sich nur, wenn’s heiß ist wohl,
trinkt gern Benzin und auch Benzol,
verschlingt das Holz er geradezu,
kennt keine Gnade und Tabu!

 

Im Vulkan da brennt die Luft,
da schläft er tief in einer Gruft!
Wacht auf er dann, ist schlecht gelaunt,
sich Druck und Frust dann schnell aufbaut!
Bricht aus mit ihm dann der Vulkan,
führt er sich auf, wie ein Titan!

Brennt überall es lichterloh,
Wälder, Scheune, oder Stroh,
rücken aus, die roten Flitzer!
Grimmig drein schau‘n die Gesichter!
Wird vollgespritzt er und ertränkt,
bis wieder stänkert er und brennt!