Die Temperamente bei den Säugetieren

 

Zur Entwicklung der vier Temperamente kann ich nur Vermutungen anführen, die von der größten Plausibilität ausgehen. Wissenschaftliche Erkenntnisse dazu sind mir nicht bekannt. Der Mangel an Relikten aus der Zeit der großen Umwälzungen lässt nur Spekulationen zu.

Wenn morgen der Einschlag eines Meteoriten die Erde verwüsten würde, welche Kleinsäuger könnten überleben? Da fallen mir ganz spontan die Ratten ein, die auf der ganzen Erde in vielen Klimazonen anzutreffen sind. Ihr Revier ist sowohl unter- wie überirdisch, und sie haben die richtige Größe, um zu überleben.

Ausgehend von der Zeit nach dem Meteoriteneinschlag hatten diejenigen Arten von Kleinsäugern die größte Überlebenschance, welche am anpassungsfähigsten und vielseitigsten jede nur mögliche Nahrungsquelle durch das System uneigennütziger Kundschafter sich erschließen konnten. Innovative Wissbegier, Problemlösung und soziales Verhalten in Kleingruppen sind Kennzeichen der vier Temperamente, und werden diese begünstigt haben. Allesfresser von Wurzeln, Aas und Insekten (Generalisten) sollten in der langen Zeit (12 Millionen Jahre) der großen Umbrüche im Paläozoikum im Vorteil gewesen sein gegenüber den starreren Verhaltensweisen der Zweitemperamentler, welche als Spezialisten in dieser Zeit zusammen mit ihrer Nahrungsquelle untergehen mussten. (Vorstellen kann ich mir lediglich das Überleben einer Art ähnlich den Maulwürfen oder Biber in besonderen Habitaten.) Erst als die Verhältnisse sich langsam stabilisiert hatten, die Blütenpflanzen sich massiv entwickelten, und neue Möglichkeiten Beute zu machen erschienen, konnten diese bei langsamerem Wandel erfolgreich werden. Die Austattung mit 4 T. wäre für sie unnötiger und hinderlicher Ballast gewesen bei der Entwicklung in einer einmal gefundenen Nische. Ich gehe also davon aus, dass damals zumindest der allergrößte Teil der überlebenden Säugetierarten, wenn nicht alle, viertemperamentig war. Aus dem sekundären Fundus der Verhaltensvielfalt an Überlebensstrategien und Sozialisierungen konnten sich die evolvierenden Arten die günstigsten aussuchen, und lästige, viel Energie und Gehirnmasse und längere Adoleszenz erforderlichen, verfallen lassen.

 

 

Zur Verdeutlichung einige Beispiele von heutigen viertemperamentigen Säugetieren:

 

Bei den Feliden haben lediglich die Löwen die anfänglichen 4 T. beibehalten, und in der Form der Gruppenjäger mit den Weibchen als Kerngruppe und Männchen als Paschas auf Zeit weiterentwickelt. Sie sind aber keine Generalisten geblieben, sondern sind zu Spezialisten für Großwild geworden, wozu sie das 4 T.- Modell beibehielten. Von dem ursprünglichen Modell der Gruppenjäger emanzipierten sich mit der Zeit die anderen Feliden als Einzeltiere. Da ansonsten die Feliden als recht entwicklungsträge einzuschätzen sind, werden die äußerlichen Übereinstimungen ihrer Gestalt einsichtig.

 

Die Wölfe machen als Fleischfresser Jagd in Rudeln auf weit größere Pflanzenfresser, welche sie als Einzelgänger kaum jemals erbeuten könnten. Der Verzehr der Beute ist hierarchisch streng geregelt. Das Alphapaar darf zuerst fressen, bekommt die Leber als Delikatesse, und demonstriert damit seinen Rang. Nur das Alphapaar darf sich fortpflanzen, der Rest des Rudels beteiligt sich an der Aufzucht durch Herauswürgen von Futter. Eine Paarbildung zeigt sich bei ihnen in freundschaftlichen Beziehungen, die dem gleichen Muster wie bei den Menschen folgen. Auch sie sind keine Generalisten mehr.

 

Bei den Erdmännchen aus der Familie der Schleichkatzen dient die weitgehende Beibehaltung der 4 T.- Sozialisation der Sicherheit. Ihr Auftreten im Freien hat einen Aspekt des Militärischen. Sie postieren sich manchmal aufrecht in Reih und Glied im Sonnenschein, dann schwärmen sie zur Suche nach Beute (Kleintiere und Insekten) aus, wobei ein Posten an erhöhter Stelle die Luftüberwachung übernimmt, und Alarm schlägt, wenn Gefahr droht (Kommandostruktur). Räuberischen Eindringlingen und konkurrierenden Gruppen begegnen sie unerschrocken in Formation, bevor sie sich ins Getümmel stürzen. Ihr Intimleben in ausgedehnten Höhlensystemen entzieht sich der Beobachtung. Deshalb bleibt ihre Zugehörigkeit zu den 4 T. noch eine vage Vermutung.

 

Dass Zahnwale viertemperamentig sind, wird jedem einleuchten, der den Aufnahmen bei ihrem „familiären“ Gruppengesang lauschen kann: Ihre Charaktere sind deutlich unterschiedlich (*). Aber wie konnten sie sich aus heutigen Paarhufern entwickelt haben? Gar nicht. Es soll anfangs auch Fleischfresser unter den Paarhufern gegeben haben, welche im Flachwasser Meerestiere jagten. Möglicherweise könnten diese in einer Gruppe Einkreisungsstrategien entwickelt haben, welche sie bei ihrer Evolution als Meerestiere beibehalten konnten. Als Landtiere sind sie ausgestorben. Nun gibt es aber noch die Bartenwale, von denen die meisten sich wie Herdentiere zu kleineren Formationen zusammenschließen, und sich lautstark über große Entfernungen verständigen können. Andere, wie der Blauwal, Zwergwal und der Seiwal sind zu Einzelgängern geworden. Buckelwale kooperieren in kleinen Gruppen, indem sie mit Blasenvorhängen Fische zusammentreiben, haben somit das Erbe der Zahnwale erhalten.                                

Bei den Orcas, typischen Gruppenjägern, wurde schon beobachtet, dass ein Individuum, wenn es eine größere Beute, zum Beispiel einen Seelöwen, erlegt hatte, diese reihum gehen ließ, sodass alle davon ein Stück abbeißen konnten.

 

Zum Vergleich ein paar Beispiele von heute lebenden zweitemperamentigen Säugetieren:

 

Bei den Paarhufern gibt es die größte Variabilität der Formen der Vergesellschaftung. Die Wildschweine sind die einzigen Allesfresser der Ordnung. Da sie äußerst wehrhaft und intelligent sind, können sie sich als Einzelgänger im Wald gegen Beutegreifer behaupten. Es wurde schon beobachtet, dass ein Riesenwildschwein in Afrika bei Angriff eines Löwen zur Furie wurde, als ihr Nachwuchs bedroht war, und den Löwen in die Flucht trieb. Eine Bache bildet mit ihrem Nachwuchs eine Rotte, zu der zur Paarungszeit sich ein Eber anschließt, der ansonsten auch Einzelgänger ist.

 

Alle anderen Paarhufer sind reine Pflanzenfresser, welche als Gruppe nicht um Beute konkurrieren, und daher nur lockere Gemeinschaften bilden. Die Weibchen von Rothirschen schließen sich zu mittelgroßen Herden zusammen, welche eine dominante Hindin anführt; die Männchen bilden außer in der Brunft ein eigenes Rudel. Kamele bilden Gruppen mit einem dominanten Männchen und einem Harem von Weibchen. Männchen, die (noch) nicht zum Zuge gekommen sind, bilden „Junggesellen“herden. Giraffen leben in lockeren Kleingruppen, deren Zusammensetzung sich täglich ändert, da ihre Reviere riesig sind. Elche leben allein oder in kleinen Familiengruppen. Bisons bilden große Herden in offener Graslandschaft, die sich als anonyme Massen gleichsinnig verhalten, offen für Zu- und Abgänge, wobei der Schutz darauf beruht, dass viele Augen mehr sehen als zwei, und die schiere Masse potenzielle Beutegreifer sensorisch überfordert. Da beim Grasen die Sicht stark behindert ist, musste die Gruppenbildung bei den Herdentieren also aufgrund der Bedrohung durch Raubtiere in offener Landschaft beibehalten werden. Bei Gefahr reagieren die Teilnehmer nicht hierarchisch, sondern gleichsinnig ihren Fähigkeiten entsprechend: entweder mit Flucht, wie bei den Antilopen und Gazellen, oder wie bei den Moschusochsen mit Hörnerparade eine Art Wagenburg zum Schutz der Jungtiere bildend. In Gebirgen lebende Kletterkünstler, wie Ziegen, Schafe, Gemse und Steinbock sind entweder Einzelgänger, oder organisieren sich in beständigeren Kleingruppen, bei denen dann auch Kämpfe um Dominanz stattfinden. In Landschaften, welche Deckung bieten, können sich auch Einzelgänger behaupten.

 

Unterschiede im Temperament kann ich bei Paarhufern nur zwischen Männchen und Weibchen erkennen. Sie sind also zweitemperamentig. Das gilt auch für alle Pflanzenfresser. Ihre Überlebensstrategie ist entweder auf Flucht, oder auf Verteidigung ausgerichtet. Bei Großwild kommt es vor, dass starke Individuen zum Gegenangriff starten, vor allem, wenn der Nachwuchs bedroht ist.

 

Die Elefanten haben die meisten Merkmale der 4 Temperamente bewahrt. Das liegt vor allem an dem größten Gewicht aller landlebenden Säugetiere. Ihr Streifgebiet für pflanzliche Kost und Wasser muss deshalb riesig sein. Die Matriarchin, welche eine weibliche familäre Gruppe mit Nachwuchs anführt, und 60 Jahre alt werden kann, muss ein großes Langzeitgedächtnis für die günstigsten Futter- und Wasserstellen für jede Jahreszeit in der Savanne haben. Außerdem beträgt die Tragezeit eines einzigen Jungtiers 22 Monate, was eine enorme Investition darstellt. An der Aufzucht und ihrem Schutz beteiligen sich alle Weibchen. Der männliche Nachwuchs formiert sich als Junggesellen in Kleingruppen, und wird dann zu Einzelgängern bei der Brunft. Ein Bulle gesellt sich nur zu der Gruppe, wenn ein Weibchen empfängnisbereit ist. Das vermeidet Stress. Elefanten sind äußerst sensibel, und können über weite Entfernungen mit benachbarten Gruppen kommunizieren. Selbst kooperatives Verhalten durch Abstellen einer Wächterin beim Baden ist häufig. Ansonsten haben sie das Verhalten von Herdentieren, welche keinen Streit um die Beute kennen. 

 

Nun zurück zu unseren nächsten Verwandten: In der Broschüre Vom Affen zum Menschen aus Spektrum Compakt finde ich folgendes Statement:

 

Markenzeichen der Primaten: Generalisten

 

Die meisten Säugetierarten zeichnen sich durch Spezialisierungen aus. Nicht so die Primaten. Das Auffälligste an ihnen ist, dass ihnen sogenannte abgeleitete Merkmale, also spezielle Anpassungen, weitgehend fehlen. Die Primaten sind also in vieler Hinsicht ursprünglich geblieben. 

 

Die Paviane haben ein ähnliches Sozialisierungsmodell wie die Löwen mit weiblicher Kerngruppe. Sie suchen ähnlich den frühen Menschen ihr Futter in der Savanne, wo sie sich vor Beutegreifern in Acht nehmen müssen, da sie in offener Landschaft im Nachteil sind. Die Futtersuche in Gruppen ist ihr Schutz. Sie fressen Früchte, Blätter, Echsen und Insekten, und jagen Grüne Meerkatzen, aber kein größeres Wild. Eine Untergruppe verwandter Männchen übt die Herrschaft aus, und vertreibt den männlichen Nachwuchs, sobald er geschlechtsreif wird. Paviane paaren sich polygam, müssen dabei aber die Hierarchie beachten, und dürfen die dominanten Männchen nicht taktlos provozieren.

 

Bei den Gorillas vermag der monströse Geschlechtsdimorphismus das Urteil trüben. Die Kerngruppe besteht aber aus den Weibchen und ihrem Nachwuchs, zu dem auch die halbwüchsigen Männchen gehören, so lange sie noch keinen Silberrücken zeigen. Diese können ihre Geschlechtsreife begrenzt hinausschieben. Herangewachsen unterstützen sie den Silberrücken bei der Verteidigung des Clans. Bei Ableben des Paschas entwickelt dann recht schnell einer seiner Söhne einen Silberrücken, und tritt seine Nachfolge an, es sei denn ein fremdes Männchen hat den Silberrücken besiegt. Wenn sie die Gruppe mit etwa 10 Jahren verlassen müssen, werden sie zu Einzel-gängern, oder schließen sich zu Junggesellengruppen zusammen. Die Gorillas ernähren sich von ausgesuchtem Blattwerk, Rinden, Knollen, Früchten, Samen, Kleintieren, Insekten und Pilzen, sind also Universalisten. Sie pflegen ein intensives Sozialleben unter der fürsorglichen Obhut des Silberrückens, der auch als Schlichter bei Streitereien unter den Weibchen tätig wird.

 

Bei den Schimpansen stehen die Temperamente im Dienst der Feinschmeckerei. In den Wipfeln sind sie kaum bedroht. Sie fressen vor allem Früchte und Kleintiere. Da Delikatessen rar sind, und zu unterschiedlichen Zeiten Früchte woanders reifen, muss ihr Revier eine beträchtliche Größe haben. Spähtrupps und Kundschafter durchstreifen lautlos und vorsichtig ständig das Gelände, und halten Ausschau nach Konkurrenten und ergiebigen Futterstellen, welche sie ihrem Verband mitteilen. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen kleiner Gruppen von drei oder vier Individuen. Die folgend abgebildete Chronologie von zwei Tagen aus Partnerwahl im Tierreich zeigt das deutlich.

                         

 

Es ist auch zu sehen, dass die Kerngruppe im Revier aus Männchen besteht. Sie sind meist Brüder oder nahe Verwandte. Die hochrangigen Männchen haben Anspruch auf die besten Futter- und Schlafplätze, und dürfen sich als erste mit einem Weibchen paaren, das in den Östrus kommt. Das hat aber keine große Bedeutung für ihren genetischen Erfolg, da sich die Weibchen mit möglichst vielen Männchen paaren, um den maximalen Schutz für den Nachwuchs herauszuholen, und ihm einen hohen Rang zu sichern, der mit dem Rang der Mutter steigt. Auch Schmeicheleien und Speichelleckereien sind erfolgreich. Die Vaterschaft bleibt somit ungeklärt, alle Männchen können sich als Väter betrachten. Kämpfe um Paarungen wurden nicht beobachtet. Eifersucht wäre Energieverschwendung. Es herrscht vielmehr hemmungslose Promiskuität. Der weibliche Nachwuchs wird bei Eintritt in die Geschlechtsreife vertrieben, um Inzest zu vermeiden. Als Ersatz sind fremde Weibchen willkommen, sollten aber besser ihren Nachwuchs nicht mitbringen, da er mit großer Wahrscheinlichkeit umgebracht wird, wenn er noch klein ist. Schließlich dauert ein Fortpflanzungszyklus fünf Jahre, und in dieser Zeit kann es keinen Nachwuchs von Clanmitgliedern geben. Es wurde auch schon beobachtet, dass bei Mangel an Weibchen die Männchen einen schwächeren Clan überfallen, die Männchen töten, und die Weibchen als Beute nehmen. (Der Raub der Sabinerinnen durch die Römer sind ein analoges Beispiel.)

In dem obigen Diagramm lässt sich ein Weibchen mit Jungtier für ein paar Stunden blicken, und verschwindet wieder am gleichen Tag. Somit ist eine Paarungskontrolle praktisch unmöglich. Das Sozialleben beruht auf dem Prinzip des reziproken Altruismus (wie du mir, so ich dir). Die momentane Uneigennützigkeit ist nur eine scheinbare. In Wirklichkeit entscheidet eine genaue „Buchführung“ über Gefälligkeiten. Niemand will auf Schnorrer und Betrüger hereinfallen. Dazu ist die hohe Intelligenz, Erinnerungsvermögen, und genaue Kenntnis der Mitglieder vonnöten, was eine größere Gehirnmasse erfordert.

 

Die herrschende Männerkaste entscheidet auch über Krieg und Frieden.

 

Einem Kamerateam war es gelungen, einen Klan filmen zu dürfen. Ich sah im Fernsehen, wie sich Erregung unter den Männchen entwickelte. Besonders rumorte der Frust über den Mangel an verfügbaren Weibchen, welche gerade mit ihren jüngeren Lieblingen auf Explorationstour waren, und die Führungsclique bewachte nur ein Weibchen mit Säugling vor der Brust, tabu! Der Anführer drängte zur Tat, und gab das Zeichen zum Aufbruch: Es sollte einen Überfall auf den Nachbarklan geben. Die Kameraleute konnten so schnell nicht nachkommen, ein Schwenk zurück zeigte noch das Weibchen mit Nachwuchs, das allein im Lager die Stellung hielt. Vor und bei dem Lager der Nachbarn waren Kameras fest installiert, sodass man den Überfall, etwas verdeckt, leidlich verfolgen konnte. Die dortigen Schimpansen widmeten sich gerade friedfertig der gegenseitigen Körperflege, als sie aufgescheucht wurden. Es gab eine wüste Klopperei, die noch gefährlicher aussah, als sie im Resultat war: Tote und ernstlich Verwundete gab es nicht. Nach einigen Minuten kehrte das Überfallkommando zufrieden ohne Beute zurück: Man hatte es den Nachbarn gezeigt.

Die Kameraleute waren irritiert, dass die Aktion keinen anderen Zweck verfolgte, als eine geile Prügelei. Ich sehe sie als Triebentlastung bei sexueller Frustration.

 

Nicht immer gehen die Auseinandersetzungen so glimpflich ab. Jane Goodall berichtete von einem Ausrottungs-krieg gegen einen benachbarten Klan.

Aber auf die Jagd gehen die Schimpansen nicht. Dafür fehlt ihnen die Schnelligkeit und eine Strategie am Boden.

 

Um die Nachteile der 4 T-Säugetiere aufzuzeigen, weshalb sie gegenüber den Zweitemperamentigen ins Hintertreffen gekommen sind, muss ich auf die Situation bei den Löwen zurückkommen. 
Das folgende Diagramm zeigt die Entwicklung eines Löwenrudels innerhalb von 7 Jahren (wiederum aus Partnerwahl im Tierreich).
 

 

Es zeigt sich schon auf auf den ersten Blick, dass die Säuglingssterblichkeit extrem hoch ist. Bei Rudelübernahme bringen die Männchen alle Jungtiere um, die noch nicht ein Jahr alt sind. Auch die Nachkommen innerhalb der gleichen Zeit werden totgebissen, da sie noch von den vertriebenen Männchen abstammen. Spontane Aborte durch den Stress der Rudelübernahme kommen auch vor. Auch die generelle Sterblichkeit der Jungtiere ist hoch aus Gründen, die nicht angegeben wurden. So hat die zweite Männchengruppe keinen überlebenden Nachwuchs hervorgebracht. Die Not in den fast drei Jahren muss so groß gewesen sein, dass drei subadulte Männchen vertrieben wurden, und zwei erwachsene Weibchen das Rudel verlassen mussten. Sie stammen noch von der ersten Männchengruppe ab, von denen eines die Übernahme nicht überlebte, das andere flüchten musste. Synchronisierte Geburten unter der 1. Männchengruppe im letzten dokumentierten Jahr gab es von vier Weibchen; unter der zweiten Männchengruppe gab es die in drei Jahren nur von zwei Weibchen. Unter der dritten Männchengruppe gab es im 2. und 3. Jahr jeweils 2 Synchronisationen von 2 Weibchen (die synchronen Geburten bei Rudelübernahme habe ich nicht mitgezählt). Über die hohe Sterblichkeit der Jungtiere kann ich neben dem Mangel an Beute nur diese Vermutung anstellen: Im Gegensatz zu den Herdentieren, welche schon nach wenigen Stunden der Herde folgen können, bedarf der wenig entwickelte Löwennachwuchs intensiver Pflege, Erziehung und Bewachung in einer „Kinderkrippe“, was von allen Mitgliedern der Gruppe, auch von Löwenmännchen, abwechselnd übernommen wird. Die Jungtiere sind anfälliger für Krankheiten, und leiden mehr unter Nahrungsmangel, welcher unvorhersehbar ist. Da die Sterblichkeit so hoch ist, dass nur etwa 20% der Gezeugten das Alter von einem Jahr erreichen, und 3000 Kopulationen nötig sind, um einen zeugungsfähigen Erwachsenen zu hinterlassen, gibt es kaum Rivalität bei der Begattung zwischen den Männchen, die sowieso meist Geschwister sind. Die Weibchen sind als Stammhalterinnen des Rudels meistens miteinander verwandt (Adoptionen sind möglich). Das zu erwartende Schicksal der ausgestoßenen Männchen wie Weibchen ist auch nicht rosig: Sie müssen sich entweder mit einem minderwertigen Revier zufrieden geben, wobei viele verhungern, oder versuchen, bei einem etablierten Rudel Aufnahme zu finden. Bei der Rollenverteilung innerhalb des Klans grassiert das Lustprinzip. Bei kleinerer Beute, macht sich diejenige Löwin zur Jagd auf, die am meisten Lust dazu verspürt. Die anderen schauen erst einmal zu (Sie schafft das schon!). Wenn sie aber überraschend in Not gerät, eilen andere ihr zu Hilfe, wenn nötig auch der Pascha, der sich sonst lieber um  seinen Nachwuchs kümmert, und sich mit der Beute bedienen lässt. Einerseits gehen die Löwen sparsam mit dem Einsatz ihrer Kräfte um, aber umso mehr verschwenden sie Energien an den Nachwuchs. Man kann also nicht sagen, dass dieses recht anarchische Sozialisierungsmodell mit der höchsten Säuglingsmortalität besonders attraktiv ist. Kein Wunder, dass die Evolution bei den Feliden zu dem einfacheren und überschaubareren zweitemperamentigen Modell übergegangen ist.

 

Die Sozialisierungen der Menschen:

 

Bei den zweitemperamentigen Tieren basiert die innerartliche Selektion auf Fakten, wie Körperstärke, Geschwin-digkeit, Ausdauer, Geschicklichkeit, Erfahrung, Alter, sowie auf ererbten Strategien.

Bei den viertemperamentigen kommt noch Problemlösung, und bei den Primaten die Fähigkeit zu Täuschungsmanövern hinzu. Auch bei den Menschen war die Begründung auf Fakten sinnvoll, so lange die Organisationsformen zahlenmäßig nicht über Meuten hinausging, in denen sich alle Individuen persönlich kennen. Mit der Einführung der Landwirtschaft, welche zu Sesshaftigkeit führte, eine Vorratswirtschaft begründete, die Räubereien ermöglichte, denen es zu begegnen galt, und damit die Massenmenschhaltung möglich und erforderlich machte, musste dieses Faktenprinzip, welches bis heute als Beliebheit im Sport überlebt hat, nach und nach aufgegeben werden.

 

Excurs: Der Übergang von der Jäger- und Sammlerkultur zur Kultur des Eigentums

 

Der Beitrag von John E. Yellen Die !Kung der Kalahari / Wandel archaischer Lebensformen aus Spektrum der Wissenschaften, Juni 1990, macht den kulturellen Wandel zunächst in der Siedlungsstruktur deutlich.

 

 

Zwischen 1944 und 1982 änderte sich der Grundriss der Lager in entscheidender Weise. Die !Kung gaben es auf, nahe beieinander zu wohnen und am Leben der anderen aufs engste teilzunehmen. Links ist ein Lager von Anfang der siebziger Jahre skizziert: Die Hütten stehen im Kreis mit dem Eingang zueinander, so daß man von jeder in die meisten anderen Einblick hat; an den Feuerstellen davor spielte sich ein wesentlicher Teil des sozialen Lebens ab. Rechts eine Anordnung wenige Jahre später: Nun stehen die Hütten in Reihe oder willkürlich verteilt und viel weiter voneinander verteilt als früher; die Eingänge sind vor Einblick weitgehend geschützt, wodurch mehr Privatsphäre entsteht, und die Kochstellen liegen nun oft innerhalb der Hütten. Während die Hütten früher einfach aus Gras oder Laub errichtet waren (a), baut man sie nun mit stabileren Lehmwänden (b), ähnlich wie die der Bantus. Das Vieh wird in Gehegen, den Krals, untergebracht, und es gibt sogar private Nahrungsspeicherplätze ( c ). (Originaltext)

 

Über die Bantus hielt die moderne Zivilisation Einzug mit der für sie typischen Folge der Entfremdung. Man hat Eigentum erworben, manche mehr, andere weniger. Die Gemeinschaft spaltet sich auf in arm und reich. Und um dem Neid und der Zwietracht Einhalt zu gebieten, muss man sein Eigentum vor den Nachbarn verbergen. Es ist der Beginn der Privatsphäre in der Immobilität. Es geht jetzt darum Geheimnisse zu hüten.

 

Das Bild zeigt die in einem Koffer akkumulierten Fetische, ein Kult des Überflüssigen. Deren Ausmaß muss geheim gehalten werden. Noch fehlt der „Überbau“, welcher das Verhal-ten als selbstverständlich erscheinen lässt, und eine Herrschaftsstruktur, welche das Eigentum ideologisch verbrämt. Dafür brauchen sie fremde Herrscher, in deren Abhängigkeit sie geraten. Das Eigentum macht sie immobil, und verpflichtet sie zur Land- und Viehwirtschaft, die eine Übernutzung der Ressourcen zur Folge hat, und neue Probleme schafft. Die frühere Mobilität ge-horchte dem Faktum, dass man weiterziehen müsse, wenn die Ressourcen sich erschöpft hatten. Mit dieser Einstellung hatten sie Jahrtausende überlebt unter den prekärsten Bedingungen der Umwelt in der Kalahari. Nun sind sie einge-taucht in die Welt der Geheimnisse und Fiktionen, und akkumulieren.

 

Die ganze Geschichte ist Fiktion. (Benedetto Croce)

 

Die Fakten konnten nur durch Fiktionen ersetzt werden. Fiktionen, (lt. Meyers Lexikon: Erdichtungen, Erfindungen) sind nicht ohne weiteres einsehbar, und bedürfen der Sprache und später der Schrift zu ihrer massenhaften Propagierung und Verbreitung. Damit bekam die innerartliche Täuschung einen hohen Stellenwert.

Das fiktionale Denken wird schon bei der Erziehung der Kinder eingeübt. Die Menschen sind der Ansicht, dass man den Kindern die schnöde Wirklichkeit nicht zumuten könne, und entwickeln für sie eine fiktive Märchenwelt, mit nur wenigen Fakten garniert. (lese dazu "Das Neotenie-Projekt" unter "Gott und Welt")

Götter wie Teufel bieten einfache Erklärungen für komplizierte Verhältnisse, und sind damit massentauglich. Ihre längere Haltbarkeit entsteht dadurch, dass sie „Erlösungen“ erst im „Jenseits“ anbieten, was nicht nachweisbar ist. Ideologien, welche das „Heil“ schon in dieser Welt versprechen, können zu schnell als Illusionen demaskiert werden, und haben ein kürzeres Verfallsdatum. Beide geistigen Erfindungen können auch der Tarnung materieller Interessen und der Korruption dienen. Fatal wirkt sich auch das Sektierertum aus, was durch Aufspaltung in sich bekämpfende Sekten entsteht, und zu Glaubenskriegen mit Millionen Toten geführt hat.

Die Grundlage jeder Selektion im Großen wie im Kleinen ist der Antagonismus von gut und böse. Ihre Zuschreibungen sind die Voraussetzung der Selektion. Alle Organisationen, welche Gefolgschaft und Unterwerfung für ihre Assoziationen fordern, müssen diesen Antagonismus propagieren, und in das Gemüt ihrer Gläubigen mittels Propaganda versenken. Alle ihre Ideen und Weltanschauungen kann man unter dem Begriff des Illusionismus als Perpetuierung der Märchenwelt subsumieren. So kann kein verbindliches langfristliches Gesellschaftsmodell wie bei den Zweitemperamentigen entstehen. Was heute gut ist, kann schon morgen böse sein. Darüber hinaus lässt es unser fiktionales Denken zu, das, was die Natur hervorgebracht hat, für unnatürlich zu erklären. Das betrifft vor allem die Sexualität, welche reglementiert oder unterdrückt werden muss, sofern sie sich gegen unser Sozialmodell wendet.

 

Die hoch gepriesene menschliche Intelligenz findet ihren Antagonismus in der Dummheit, vor der auch die fähigsten Denker nicht gefeit sind. Eine Dummheit höchsten Grades ist zum Beispiel die Propagierung des „ewigen Wachstums“, welches im gesamten Weltall nicht vorkommt. Der Horror vor dem Morast der Fiktionen äußert sich in dem Wunsch zu den einfachen Verhältnissen der zweitemperamentigen Tiere aufzuschließen. Das ist aber auch nur eine unerreichbare Fiktion. Es bleibt den Menschen nichts anderes übrig, als die etablierten Fiktionen auszutauschen, und gelegendlich neue zu ersinnen. 

Das führt zu Instabilität der Herrschaftsverhältnisse, die nicht aufhebbar ist. 

 

Im Verhalten erregter Massen wurde als Massensuggestion beobachtet, was Le Bon in seiner Psychologie der Massen schildert. Über die Bedeutung von Täuschungen für die menschlichen Gesellschaften schreibt er:

 

Die soziale Täuschung herrscht heute auf allen Ruinen, die die Vergangenheit auftürmte, und ihr gehört die Zukunft. Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihr missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer. (Da muss ich aufpassen!)

 

 

Die Problematik des reziproken Altruismus

 

Wer sich an einem reziproken System beteiligt, lebt in der beständigen Gefahr, mehr zu investieren, als am Ende zurückkommt, muss dauernd mit Betrügern rechnen. Auf der anderen Seite ist es - aus evolutionsbiologischer Pespektive - genauso wichtig, jederzeit selbst Nutzen aus möglichen eigenen Betrugsmanövern zu ziehen. (V. Sommer)

 

Der direkte Altruismus ist begrenzt auf eine überschaubare Zahl der Teilnehmer, welche intime Kenntnisse voneinander haben. Das ist bei den viertemperamentigen Tieren immer der Fall, auch wenn es gelegendlich aus gegebenem Anlass Allianzen mit benachbarten Meuten gibt. Diese Bündnisse zerfallen aber wieder mit ihrem Anlass, da sie gegen betrügerischen Absichten und Verrat nicht gefeit sind.

Bei den Menschen, die sich zu großen Assoziationen zusammengeschlossen haben, kann es als Ersatz nur den indirekten Altruismus geben, soll es nicht zum Kampf aller gegen alle kommen. Bei ihm werde die Gefälligkeiten von fremden Personen oder Institutionen kompensiert. Dazu müssen diese kreditwürdig und renommiert sein. Um die Ehrlichkeit zu fördern, haben die Menschen umfangreiche moralische Systeme entworfen, welche verant- wortliches Handeln religiös untermauern, und im „Gewissen“ verankern sollen. Diese Systeme sind allerdings prekär, weil auf Fiktionen beruhend, welche austauschbar sind. Korruption, Ausbeutung, Rassismus und Sklaverei konnten und können sie auch heute nicht verhindern. Auch der Strafvollzug kann im besten Fall nur die gröbsten Verfehlungen sanktionieren.

Auffällig ist die Diskrepanz zwischen den gewaltigen instrumentalen Entwicklungen und Fähigkeiten und der zurückgebliebenen sozialen Organisation. Sie macht es möglich, dass ein durchgeknallter Tyrann über das Schicksal der gesamten Menschheit entscheiden kann. Die unterschiedlichen sozialen Systeme, welche sich die Menschen geschaffen haben, um ihre prekäre Lage zu bewältigen, kann man füglich als Haltlosigkeiten bezeichnen.

Bedenklich erscheint mir auch, dass die Generalisten "Menschen" aufgrund ihrer hoch komplexen Entwicklung der Produktivkräfte und Fähigkeiten nunmehr dazu übergegangen sind das Spezialistentum mit langjähriger Ausbildung zu fördern, was zu weiterer Entfremdung führt. "Generalisten" werden zu Aushilfskräften in prekärer Stellung.

 

Fazit: 

Wenn man davon ausgeht, dass die Menschen und unsere nächsten Verwandten viertemperamentig sind, und sie das gesellschaftliche Erbe der die große Katastrophe überlebenden Arten erhalten haben, wird man diese auch als 4 T.- Gesellschaften nennen dürfen. Die Mehrzahl der Arten, welche in weniger anspruchsvollen und aufwändigen Gesellschaftsmodellen leben, haben dies als Spezialisten erreicht, indem sie ganz oder auf Teile dieser Überlebensstrategie verzichteten, was eine geringere Gehirnmasse ermöglicht, und die Zeit ihrer Aufzucht merklich verkürzt. Bei krassen Veränderungen ihrer Lebensgrundlage wird ihnen als ersten das Überleben versagt.

Auch die Menschen gerieten vor ca. 75.000 Jahren in arge Bedrängnis durch den Ausbruch des Supervulkans Toba, mit der Folge eines „genetischen Flaschenhalses“, sodass ihr Überleben auf der Kippe stand. Aber dann wurde In den letzten 6000 Jahren ein „Erfolgsmodell“ aus ihrer 4 T.- Sozialisierung, sodass aus ihrer Notlage zuletzt aufgrund wissenschaftlicher Durchbrüche eine Kultur der Verschwendung entstand. Diese beruht allerdings auch nur auf der Fiktion, dass die Ressourcen unbegrenzt sind. Wenn die Fakten sich nicht mehr verdrängen lassen, werden sie die Menschheit absehbar zurück in die Bedrängnis führen, von der sie glaubte sich befreit zu haben.

Das viertemperamentige Sozialmodell erwies sich historisch als ideal für Kleingruppen von Beutegreifern (Meuten, Clans und Sippen) mit Arbeitsteilung. Für die Organisation von Massen war es nicht vorgesehen, und bleibt deshalb unwiderruflich prekär.

 

      Sexuelle Besonderheiten der Viertemperamentigen

 

Die Zoophilie: Sie ist bei allen freilebenden viertemperamentigen Tieren eine Sexualausstattung minderen Ranges, weil die ökonomische Basis dafür fehlt. Sie wird erst dann zu einer prägenden Vergesellschaftung, wenn sich für beide Seiten daraus ein Vorteil ergibt.

 

Die Bisexualität: Sie ist die Voraussetzung zur Bildung rein männlicher oder weiblicher Koalitionen, Bünden und Jagdgemeinschaften, die besonders bei den Löwen vielfach belegt ist.

 

Ganzjährige Paarungsbereitschaft: Da das Sozialverhalten von der ganzjährigen Sexualität bestimmt wird, allerdings von Tabus und Sitten eingegrenzt, ist sie zwingend.

 

Die Promiskuität: Sie resultiert einmal aus der ganzjährigen Paarungsbereitschaft, zum anderen aus dem Fehlen eindeutiger Paarungsregeln.

 

Die Pädophilie: Sie bedeutet, dass der Schutz, Hegetrieb und die Erziehung sich nicht nur auf den eigenen Nachwuchs beschränkt, sondern auch alle Nachkommen der Gruppe mit einbezieht.

 

Die Gerontophilie: Altersschwache Mitglieder werden nicht vertrieben, oder ihrem Schicksal überlassen, sondern geehrt und umsorgt.

 

Die Nekrophilie im umfassenden Sinn: Thanatophilie und Paraphilie als Bewusstsein des Todes

 

 

Zur Zoophilie: Keine Art hat sich dermaßen von Verbindungen mit anderen Tierarten abhängig gemacht, wie der Mensch, sei es in deren Versklavung oder der Verlockung. Diese Abhängigkeit zeigt sich schon in der Mythologie der Antike. Dort finden sich tier-menschliche Mischwesen (Zooanthropie) mit überwiegend positiver Bewertung. So wurden in Ägypten viele Götter als Wesen mit menschlichem Körper und tierischen Köpfen dargestellt. Nur bei der Sphinx war es unter feindlichem Aspekt umgekehrt. Bei den Griechen kamen als Dämonen die Harpyien und Gorgonen hinzu, aber die Zentauren galten als Weisheitsvermittler, Faune und Satyrn als Besitzer übermäßiger Potenz. Zeus verführte Europa in Gestalt eines Stiers, Ganymed raubte er als Adler. Die Griechen hatten als Polytheisten kein Bedürfnis nach Teufeln.

Wenngleich das Christentum die Zoophilie verteufelte, ist der Teufel selbst ein solches Mischwesen unter feindlichem Aspekt, dem Engel positiv gegenübergestellt wurden und werden. In vielen Märchen (z. B. Der Froschkönig) können sich Menschen in Tiere und wieder zurück verwandeln. Der Werwolf und der Vampir sind negativ besetzt, Leda mit dem Schwan und die Meerjungfrauen eher positiv oder neutral. Es überwiegen jedoch Dämonen (z.B. bei Hieronimus Bosch) als grausame tier-menschliche Mischwesen, und es werden missliebige Menschen vertiert dargestellt, um sie herabzuwürdigen.

Die Abhängigkeit von den Tieren, sei es als mannigfache Beute oder als Partner mit überlegenen Sinnen, hat es mit sich gebracht, dass zoophile Kontakte und Gemeinschaften als „normal“ angesehen werden, welche auch emotionale Bedürfnisse befriedigen. Die Literatur darüber ist so umfangreich, dass sie den Rahmen dieser Abhandlung sprengen würde. Nur die wenigsten alltäglichen Begebenheiten erreichen das Licht der Öffentlichkeit. Von besonderer Bedeutung ist das Verhältnis zu Pferden, welches heute nur mit dem zu Automobilen vergleichbar ist.

Unter dem Patronat von Menschen und aufgrund der gemeinsamen Futterquelle sieht man Paarungs- und Besteigungsversuche sowie Geselligkeiten zwischen verschiedenen zweitemperamentigen Tieren. Diese sehe ich als Ausdruck einer Not- und Bedrängnissituation durch Zusammentreffen mit anderen Arten, die sich sonst meiden, oder feindlich gegenüberstehen. So kommt es zu sexueller Verwahrlosung (Gefängniskoller), wie sie auch unter den „zivilisierten“ Menschen selbst vorkommt. Ein Beispiel dafür schildere ich im vorigen Kapitel. Als Gegen-argument lasse ich diese Verhaltensweisen, die in freier Wildbahn nicht vorkommen, nicht gelten.

 

Zur Bisexualität: Nach den Ermittlungen von Sexualforschern liegt der Anteil von Bisexuellen unter den Menschen bei etwa 70 %. Der homosexuelle Aspekt, den ich besonders in allen Männer- und Frauenbünden stark vertreten sehe, lässt mich vermuten, dass er die Voraussetzung dieser Verbindungen darstellt. Vor allem dort, wo er aus Gründen einer fiktiven Sexualmoral am erbittertsten geleugnet wird, zum Beispiel im Mannschaftssport oder im Ringen, in Klöstern oder bei zölibatärem Klerus, ist er vermehrt anzutreffen.

 

Zur Pädophilie: Von den Löwen ist bekannt, wenn die Erwachsenen gemeinsam auf die Jagd gehen, dass ein Elternteil den Schutz aller Jungtiere übernimmt (Kindergarten und Schule), gerne auch der Pascha, der unnötige Anstrengungen meidet, und sich von den Weibchen versorgen lässt. Bei Schimpansen ist belegt, dass die Mutter ihr Junges anderen Mitgliedern der Gemeinschaft (oft den Paschas) zeitweise überlässt, und solches auch erwartet und gefordert wird, um eine Beziehung mit Verantwortung aufzubauen. Übergriffiges Verhalten wird bei Entdeckung sanktioniert.

Zur Nekrophilie: Nekrophilie setzt das Bewusstsein des Todes voraus. Man hat sie auch bei den Zweitempera-mentigen mit hoher Intelligenz entdecken können. Ich sah in einem Filmbeitrag eine Elefantensippe auf der Wanderschaft bei einem entdeckten toten Artgenossen eine stille "Andacht" abhalten. Ein Angehöriger kann auch mehrere Tage betrauert werden. Aber viel weiter geht die Trauer nicht. Bei den Viertemperamentigen ist die Thanatophilie viel aufwändiger: Trauerrituale, Trauerzeit dauern wegen der engen Bindungen länger. Manchmal werden tote Angehörige noch eine Weile mitgeführt. Erst bei den Menschen führt das Bewusstsein des Todes zu manchmal monströsen Trauerritualen: Beerdigungen, Grabsteine, Totengedenktage, Denkmäler, Reliquienkulte, Balsamierung, monumentale Grabstätten mit Grabbeilagen.         

Den anderen problematischeren Aspekt der Nekrophilie nennen wir Paraphilie, der mir nur bei den Menschen bekannt ist. Darunter fällt: Menschenopferkulte, Hinrichtungstourismus, Kannibalismus (auch in der sublimierten Form des religiösen Abendmals), Geschlechtsverkehr mit Toten, Vampirismus, Leichenschändung (Metzeleien an Toten).