Ein Katzenjammer auf Vulcano

 

    Diesen Bericht habe ich meinen Urlaubserinnerungen von Vulcano entnommen, welcher dort unter Haustieren zu finden ist.

 

Wenig erfreulich war die Katzenplage, die ich nicht fotografisch dokumentieren wollte. Eines Morgens brachte ich den Müll zu den beiden Containern, die gegenüber der Einfahrt unserer Unterkunft standen. Da hörte ich aus einem jämmerliches Gewinsel. Ich zog zwei verknotete Plastiktüten heraus und brachte drei soeben entwöhnte Kätzchen ans Licht. Eines war schon so krank, dass keine Hoffnung mehr bestand. Sie folgten mir, und ich konnte sie zunächst mit einer Schale Milch beköstigen. In dem Alimentari-Laden gab es auch Katzenfutter. Eine italienische Nachbarin wollte sich gern um die armen Wesen kümmern und nahm mir einen großen Teil der Verantwortung ab.

Im Jahr darauf hielten bei meiner Ankunft ca. zwei Dutzend Katzen die Müllcontainer besetzt und schwärmten von ihrem Standort in die benachbarten Resorts aus, wo sie aggressive Bettelei betrieben: Das Leben hatte es mit ihnen bislang nicht gut gemeint, und so schrieen sie solange vor der Tür, bis man ihnen etwas zu essen rausbrachte. Wie ich hörte, war die gutmütige Versorgerin des Katzen-Wigwams verstorben und so blieb den Katzen nichts anderes übrig, als zur Plage zu werden. Es war schon Oktober, die Touristensaison ging zu Ende, und damit gab es immer weniger mögliche Versorger. Zwar gab es massenhaft Eidechsen auf der Insel, um nicht verhungern zu müssen, aber die Katzen hatten nicht gelernt sie als Nahrungsquelle zu nutzen.

Eine Katze, die ständig auf dem Grundstück blieb, hatte verdrehte Halswirbel und konnte den Kopf nur schief halten. Keine ließ sich streicheln. Die ganze Zeit lebten wir in einer Art Belagerungszustand.

Zwei Katzen erfreuten mich aber eines Abends mit einem höchst seltenen Kunstgenuss, den ich weder früher noch später jemals zu hören bekam: einem Katzenkonzert, nicht zu verwechseln mit Paarungsgeschrei. Sie hockten einträchtig nebeneinander und heulten ähnlich den Wölfen, bloß in höherer Tonlage.

 

Bei der Abreise konnte ich die Verantwortung noch an eine italienische Urlauberin weitergeben, aber ich konnte mich keinen Illusionen über das zukünftige Schicksal der Katzen hingeben.

  Als ich im nächsten Jahr wiederkam, waren alle Katzen verschwunden. Im  Spätherbst musste es ein Massaker gegeben haben. Man war wohl um den guten Ruf der Insel bei den Touristen besorgt, und schritt erst nach deren Abreise zur Tat.